Kölner Überwachungsdebatte: Warum Kameras allein keine Sicherheit schaffen

Hiltrud Bolnbach
Hiltrud Bolnbach
2 Min.
Ein Plakat mit der Aufschrift "The Bipartisan Safer Communities Act" in fetter schwarzer Schrift auf einem weißen Hintergrund, eingerahmt von einem schmalen schwarzen Rand, mit einer Grafik einer Person in einem blauen Hemd mit ausgestreckten Armen und entschlossener Miene.Hiltrud Bolnbach

Kölner Überwachungsdebatte: Warum Kameras allein keine Sicherheit schaffen

Überwachungskameras breiten sich in Köln rasant aus – mit derzeit rund 220 fest installierten Geräten, die öffentliche Räume überwachen. Diese Ausweitung sorgt für Besorgnis, insbesondere wegen der möglichen Nutzung von Gesichtserkennungstechnologie. Gleichzeitig formiert sich lokaler Widerstand: Eine Kampagne argumentiert, dass wahre Sicherheit nicht durch mehr Polizei, sondern durch gemeinschaftlichen Zusammenhalt entsteht.

Seit 2015 hat Köln Hundert neue Überwachungskameras aufgestellt, vor allem in Stadtteilen wie Kalk, Ehrenfeld, am Hauptbahnhof und in der Innenstadt. Die genauen Zahlen bleiben unklar, da offizielle Statistiken nicht regelmäßig aktualisiert werden. Zudem setzt das Land Nordrhein-Westfalen auf die Software "Gotham", entwickelt vom Unternehmen Palantir, die automatisch Daten aus Polizeidatenbanken extrahiert und abgleicht.

Die Initiative "Sicherheit für Alle" stellt diesen Ansatz infrage. Kameras und Streifen würden keine echte Sicherheit schaffen, so die Aktivist:innen. Sie verweisen auf den Anschlag von Hanau 2020, bei dem ein rassistischer Attentäter neun Menschen ermordete – trotz Überwachung konnte der Angriff nicht verhindert werden. Cuso Ehrich, Sprecher:in der Kampagne, sprach kürzlich bei der Gedenkveranstaltung in Hanau und zog Parallelen zwischen den Polizeistrategien in Köln und Hanau. Beide Städte würden Migrant:innengemeinschaften durch Razzien und verstärkte Kontrollen unfair kriminalisieren, so die Kritik.

Im Kölner Stadtteil Kalk stufen Politiker:innen und Polizei das Viertel seit Langem als "Kriminalitätsschwerpunkt" ein – mit der Folge häufiger Razzien in Betrieben von Migrant:innen. Die Kampagne wirbt stattdessen für Alternativen wie den Stadtteilverband "Kalk Solidarisch" oder das Nachbarschaftszentrum "Toni". Diese Initiativen setzen auf soziale Sicherheit: Zugang zu Wohnraum, Nahrung und Gesundheitsversorgung für alle, unabhängig vom Aufenthaltsstatus.

Die Debatte um Sicherheit in Köln offenbart einen grundsätzlichen Konflikt: Überwachungsbasierte Polizeiarbeit versus gemeindeorientierte Lösungen. Während Kameras und Tools wie "Gotham" ausgebaut werden, betonen Aktivist:innen, dass echte Sicherheit erst durch die Deckung grundlegender Bedürfnisse entsteht. Die Kampagne "Sicherheit für Alle" fordert weiterhin ein Modell, das sozialen Ausgleich über verstärkte Überwachung stellt.

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