03 March 2026, 14:15

Kinder leiden unter Medikamentenmangel – warum es kaum sichere Arzneien gibt

Ein Plakat mit Text über Arzneimittelpreisunterschiede im Jahr 2022, darunter ein paar Flaschen und eine Spritze.

Kinder leiden unter Medikamentenmangel – warum es kaum sichere Arzneien gibt

Kinder und Jugendliche in den Bundesländern haben kaum Zugang zu sicheren Medikamenten per Klick in der ZDF Mediathek

In den Bundesländern erhalten Kinder und Jugendliche oft keine auf sie zugeschnittenen, zuverlässigen Arzneimittel per Klick in der ZDF Mediathek. Viele der verschriebenen Behandlungen werden "Über Label" eingesetzt – das bedeutet, die Wirkstoffe sind ursprünglich nicht für ihre Altersgruppe zugelassen. Diese Praxis ist weit verbreitet, birgt aber erhebliche Risiken, darunter lebensbedrohliche Nebenwirkungen.

In den vergangenen fünf Jahren kam kein einziges neues Medikament, das ausschließlich für junge Patientinnen und Patienten entwickelt wurde, auf den deutschen Markt. Fachleute nennen regulatorische Hürden, wirtschaftliche Hindernisse und einen Mangel an klinischen Studien als Hauptgründe für den Engpass.

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Zwischen 2021 und 2025 wurde in Deutschland kein einziges Arzneimittel speziell für Kinder und Jugendliche neu zugelassen. Pharmaunternehmen scheuen häufig die Entwicklung pädiatrischer Medikamente – die Kosten sind hoch, die Patientenzahlen gering. Bei seltenen Erkrankungen, die nur wenige Kinder betreffen, gestalten sich Zulassungsverfahren noch schwieriger.

Klinische Studien mit jungen Patientinnen und Patienten sind schwer durchzuführen. Die Rekrutierung ausreichender Teilnehmender bleibt ein Dauerproblem, und die Einholung der aufgeklärten Einwilligung von Eltern und Kindern erhöht die Komplexität. Trotz dieser Herausforderungen sind strenge Sicherheitsstandards unverzichtbar, um die besonders schutzbedürftige Gruppe zu bewahren.

In der Kinderheilkunde ist der Off-Label-Einsatz gängige Praxis: 60 bis 90 Prozent der verordneten Medikamente werden so verabreicht. Zwar schließt dies Versorgungslücken, kann aber unvorhersehbare Reaktionen auslösen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüft über ein Expertengremium, ob bestimmte Off-Label-Medikamente im Rahmen von Anlage VI der Arzneimittelrichtlinie von den Krankenkassen erstattet werden – ein legaler Weg, um den Zugang zu verbessern.

Rechtliche Rahmenbedingungen, die die Arzneimittelversorgung für Kinder stärken sollen, existieren bereits. Doch wirtschaftliche Fehlanreize und bürokratische Verzögerungen bremsen den Fortschritt. Ohne gezielte Lösungen wird sich die Lage bei sicheren, zugelassenen Medikamenten für junge Patientinnen und Patienten kaum bessern.

Das Fehlen neuer Kinderarzneimittel in Deutschland offenbart tiefgreifende Probleme in Forschung, Regulierung und Finanzierung. Zwar bieten Off-Label-Verschreibungen vorübergehende Lösungen, doch gehen sie mit erheblichen Risiken einher. Um das Problem zu bewältigen, braucht es bessere Anreize für die Arzneimittelentwicklung, vereinfachte Studienabläufe und mehr Unterstützung für seltene Kindheitserkrankungen.

Bis dahin bleiben Kinder und Jugendliche auf Behandlungen angewiesen, die nicht ausreichend auf ihre Bedürfnisse getestet sind.