22 February 2026, 09:06

Wie eine blaue Flasche die uralte Tradition der Flaschenpost wiederbelebt

Eine Schwarz-Weiß-Gravur eines Bootes mit Menschen darauf, umgeben von Pflanzen und Hügeln, mit der Inschrift "Die Reise der Reisen der britischen Inseln" unten.

Wie eine blaue Flasche die uralte Tradition der Flaschenpost wiederbelebt

Eine einfache blaue Flasche, die 2015 in den Atlantik geworfen wurde, hat das Interesse an einer uralten maritimen Tradition neu entfacht. Die Praxis, Botschaften in Flaschen auf die Reise zu schicken, reicht Tausende von Jahren zurück – doch ihre wissenschaftliche und historische Bedeutung ist weit weniger bekannt. Von antiken Seefahrern bis zu modernen Forschern haben diese treibenden Gefäße Geheimnisse, Entdeckungen und sogar Drohungen über die Meere getragen.

Die Idee von Flaschenpost ist weit älter, als die meisten denken. Schon die alten Griechen und Römer nutzten sie, und Christoph Kolumbus schickte 1493 während eines Hurrikans eine berühmte Botschaft auf diese Weise. Im 16. Jahrhundert erklärte Englands Königin Elisabeth I., dass das Öffnen einer nicht genehmigten Flaschenpost mit dem Tod bestraft werden könne – ein Zeichen für ihr Potenzial als Spionageinstrument.

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Jahrhunderte später entdeckten Wissenschaftler eine andere Verwendung. Zwischen 1864 und 1936 setzte das Deutsche Hydrographische Institut etwa 5.000 Flaschen aus, um Meeresströmungen zu erforschen. Die erste, 1864 vor der Küste Australiens ausgesetzt, spülte drei Jahre später in der Nähe von London an. Insgesamt erhielt die Deutsche Seewarte 24.748 Rückmeldungen von 282.000 verschickten Flaschen, wobei 1.755 weit außerhalb der erwarteten Routen gefunden wurden. Manche trieben jahrzehntelang umher, andere legten auf starken Strömungen bis zu 24 Seemeilen pro Tag zurück.

Am 23. Oktober 2015 fügten Jörg und Cornelia Wanke diesem historischen Mosaik ein eigenes Kapitel hinzu. Das Paar – darunter der 66-jährige Jörg, der sich selbst als "Inseljunge im Herzen" aus Usedom bezeichnet – warf seine Flasche vom Kreuzfahrtschiff Star Flyer aus ins Meer. Darin befand sich eine gerollte Notiz, die zwischen Madeira und Gran Canaria im Atlantik trieb.

Die Flasche der Familie Wanke reiht sich ein in die unzähligen anderen, die Ozeane durchquert haben – mal mit praktischem, mal mit geheimnisvollem Zweck. Einst Werkzeug für Spione und Wissenschaftler, tragen diese schwimmenden Botschaften heute oft persönliche Geschichten in sich. Ihre Reisen erinnern uns daran, wie selbst die einfachsten Gegenstände ferne Orte und Menschen über die Zeit hinweg verbinden können.