Das Ende einer 70-jährigen Karnevalstradition zwischen Mainz und Wiesbaden
Hans-Günther KlappDas Ende einer 70-jährigen Karnevalstradition zwischen Mainz und Wiesbaden
Eine jahrzehntealte Karnevalstradition zwischen Mainz und Wiesbaden ist nach über 70 Jahren zu Ende gegangen. Der letzte Wagen des Wiesbadener Schmotzigen-Donnerstags-Umzugs, einst eine satirische Hommage an Mainz, wird nach einem Rechtsstreit nicht mehr zu sehen sein. Die Änderung erfolgte, nachdem die Stadt Mainz die Nutzung des Motivs untersagt und damit einer seit den 1950er-Jahren gewachsenen, freundschaftlich geprägten Rivalität ein Ende gesetzt hat.
Die Tradition begann in den 1950er-Jahren, als der Wiesbadener Karnevalsumzug am Ende einen auf Mainz bezogenen Wagen als scherzhafte Spitze zwischen den beiden Städten einband. Mit der Zeit wurden die Darstellungen frecher – doch 2024 spitzte sich die Lage zu, als der Mainzer Karnevalsverein Einspruch erhob. Hannsgeorg Schönig, dessen Präsident, reichte eine Beschwerde wegen der Nutzung des markenrechtlich geschützten Namens "Zugen(d)te" ein, der rechtlich exclusively der Mainzer Rosenmontagsgesellschaft vorbehalten ist.
Um juristische Konsequenzen zu vermeiden, wurde das Design des Wagens überarbeitet. Guntram Eisenmann, künstlerischer Leiter des Umzugsvereins Dacho, bestätigte, dass die "Zugen(d)te"-Beschriftung entfernt werde, während die Tierfigur selbst bleiben dürfe. Bei genauerer Betrachtung stellten die Erbauer jedoch fest, dass die Figur eher einer Gans als einer Ente ähnelte. Folglich trägt der Abschlusswagen in diesem Jahr den neuen Namen "Gans am End" – "Die Gans am Ende".
Der "Zugen(d)te"-Wagen bildete jahrzehntelang den krönenden Abschluss des Wiesbadener Schmotzigen-Donnerstags-Umzugs und spiegelte damit das Finale des Mainzer Karnevals. Doch mit dem Entzug der Genehmigung durch Mainz endet nun diese Tradition – ein Einschritt in eine seit Jahrzehnten gepflegte Gepflogenheit.
Der umbenannte "Gans-am-End"-Wagen wird ohne die ursprünglichen Mainzer Bezüge am Umzug teilnehmen. Der Rechtsstreit hat eine Neukonzeption erzwungen und setzt damit einer karnevalistischen Tradition ein Ende, die einst als harmlose Rivalität begann. In diesem Jahr findet die Veranstaltung mit dem überarbeiteten Design statt und schließt damit ein langes Kapitel der gemeinsamen Karnevalsgeschichte beider Städte.
