BaFin weitet Prüfung bei Gerresheimer aus – Aktie stürzt nach Bilanzvorwürfen ab
Hiltrud BolnbachGerresheimer: Bafin kündigt weitere Bilanzprüfungen an - BaFin weitet Prüfung bei Gerresheimer aus – Aktie stürzt nach Bilanzvorwürfen ab
Der Pharmaverpackungshersteller Gerresheimer steht erneut unter der Lupe der deutschen Finanzaufsicht BaFin. Die Behörde hat ihre Prüfung ausgeweitet und ein neues Verfahren zur Untersuchung der Finanzberichterstattung des Unternehmens eingeleitet. Nach der Bekanntgabe brachen die Aktienkurse des Unternehmens deutlich ein.
Im Fokus der aktuellen Ermittlungen steht die Einhaltung der IFRS-Regeln zur Umsatzerfassung durch Gerresheimer. Besonders kritisch betrachtet werden sogenannte 'Bill-and-Hold'-Verträge, bei denen das Unternehmen Umsätze möglicherweise bereits verbucht hat, bevor die Waren an die Kunden ausgeliefert wurden. Nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) darf ein Umsatz erst erfasst werden, wenn die Kontrolle über das Produkt auf den Käufer übergegangen ist.
Die BaFin hatte die Praktiken des Unternehmens bereits im September 2025 unter die Lupe genommen und dabei den Zeitraum des Geschäftsjahres 2023/2024 sowie den Halbjahresbericht 2025 überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass die Umsätze für das Jahr 2024 um 35 Millionen Euro zu hoch ausgewiesen worden waren.
Nun wird die Behörde ihre Prüfung auf den Zeitraum vom 1. Dezember 2024 bis zum 31. Mai 2025 ausdehnen. Die zusätzliche Untersuchung deutet auf tiefgreifendere Bedenken hinsichtlich der Bilanzierungspraktiken des Unternehmens hin.
Die Nachricht löste einen sofortigen Kursrutsch der Gerresheimer-Aktie im nachbörslichen Handel aus. Durch die erweiterte Prüfung der BaFin werden weitere Finanzangaben des Unternehmens genau unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse könnten weitreichende Folgen für die künftige Berichterstattung des Konzerns und das Vertrauen der Anleger haben.
