17 January 2026, 20:06

Wolfram Weimers vergessener Gedichtband Kopfpilz kehrt aus der Versenkung zurück

Schwarz-weißes Porträt von Franz von Meinders, einem deutschen Komponisten mit langen Locken, mit deutschem Text unten.

Wolfram Weimers vergessener Gedichtband Kopfpilz kehrt aus der Versenkung zurück

Ein längst vergessener Gedichtband des heutigen Staatsministers für Kultur, Wolfram Weimer, ist nach Jahrzehnten wieder aufgetaucht. Das Buch mit dem Titel Kopfpilz erschien 1986 im Selbstverlag und enthält rohe, explizite Verse, die der Autor später zu unterdrücken versuchte. Kürzlich stießen Podcast-Moderatoren in München auf das Werk und brachten dessen provokanten Inhalt zurück in die öffentliche Diskussion.

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Weimers Kopfpilz war ein jugendliches Experiment, das in geringer Auflage selbst veröffentlicht und nie neu aufgelegt wurde. Das Cover zeigt drei schreiende Köpfe im Stil Edvard Munchs – ein Hinweis auf die düsteren Themen im Inneren. Anders als seine späteren Werke, etwa Warum die Rückkehr der Religion ein gutes Ding ist oder das Konservative Manifest, setzt diese frühe Lyrik auf Schockeffekte statt auf Subtilität.

Die Gedichte selbst sind stilistisch unausgeglichen, mischen derbe Bilder mit fragmentarischer Aggression. Eine Passage lautet: „und fressen unsere Körper / schmausen unser Fleisch / metzeln unsere Zeiten / und schlagen uns selbst nieder / wir sind zu verfeinert fürs Töten / verdampfter Schleim der Liebe.“ Ein weiteres Stück, Unglück, schildert eine gewalttätige Szene mit einer schwangeren Frau und einem Kind. Kritiker sehen hier eher den Einfluss von Till Lindemanns provokativem Stil als den romantischer Dichter wie Novalis. Jahrelang bestand Weimer darauf, dass Kopfpilz nicht neu veröffentlicht wird. Dennoch hatte der Autor Knut Cordsen bereits früher Bilder des Buches in sozialen Medien geteilt, ohne jedoch direkt daraus zu zitieren. Erst als die Podcast-Moderatoren Dax Werner und Moritz Hürtgen von Bohniger Wachmacher in München ein Exemplar fanden und Passagen vorlasen, rückte die Sammlung wieder ins Rampenlicht.

Das Wiederauftauchen von Kopfpilz zeigt, wie frühe kreative Arbeiten selbst bei öffentlichen Persönlichkeiten unerwartet wieder auftauchen können. Weimers Fall ist ein seltenes Beispiel dafür, wie jugendliche, ungefilterte Schriften eines Politikers gegen dessen Willen erhalten bleiben. Der Band bleibt eine Kuriosität – sowohl wegen seines konfrontativen Inhalts als auch wegen des Kontrasts zu Weimers späterer intellektueller und politischer Laufbahn.