Wie Schulen mit Praxisprojekten den MINT-Fachkräftemangel bekämpfen wollen
Dimitri EigenwilligWie Schulen mit Praxisprojekten den MINT-Fachkräftemangel bekämpfen wollen
Deutschland kämpft mit einem massiven Fachkräftemangel in den MINT-Berufen. Die Lücke auf dem Arbeitsmarkt beträgt mittlerweile rund 164.000 qualifizierte Fachkräfte – besonders betroffen sind Handwerksberufe wie Klempner und Elektriker. Schulen versuchen nun, diese Kluft zu überbrücken, indem sie den Unterricht stärker mit der Berufswelt verknüpfen.
Besonders dringend ist die Situation für junge Frauen, die nur 16,4 Prozent der MINT-Beschäftigten ausmachen. Viele Schülerinnen und Schüler – unabhängig vom Geschlecht – verlieren bereits vor der Berufsorientierung das Interesse an diesen Fächern. Expertinnen und Experten sind überzeugt: Frühzeitige Förderung und praxisnahe Projekte könnten den Trend umkehren.
In den Bundesländern setzen Schulen zunehmend auf praxisorientierte Programme, um Jugendliche zu begeistern. In Schleswig-Holstein wurden etwa Einrichtungen wie die Alexander-von-Humboldt-Schule mit dem Berufswahl-Siegel ausgezeichnet – für ihr Engagement bei der Berufsorientierung. Schüler besuchen Bildungsmessen, nehmen an Azubi-Speed-Datings der IHK teil und erkunden im Berufsinformationszentrum (BIZ) mögliche Karrierewege.
Wettbewerbe wie STEM Racing (ehemals Formel 1 in der Schule) lassen Jugendliche Miniatur-Rennwagen konstruieren und gegeneinander antreten – eine Mischung aus Physik, Ingenieurskunst und Teamarbeit. Kooperationen mit Hochschulen, etwa die Produktionstechnik-Workshops der FH Kiel, geben älteren Schülerinnen und Schülern Einblicke in anspruchsvolle technische Tätigkeiten. Baden-Württembergs BEST-Initiative bietet ähnliche Workshops an, während Rheinland-Pfalz mit dem Praxisratgeber "MI(N)Tmachen erwünscht!" Lehrkräfte dabei unterstützt, Berufsberatung in den Unterricht zu integrieren.
Studien zeigen: Erfolgreiche MINT-Projekte haben gemeinsame Merkmale – klare Ziele, frühe Einbindung der Jugendlichen und den Abbau von Klischees. Besonders wichtig ist die Präsenz weiblicher Vorbilder. Fehlen sichtbare Beispiele, entscheiden sich weniger Mädchen für technische Berufe – und verschärfen so den Fachkräftemangel in Branchen, die dringend Nachwuchs brauchen.
Die Bemühungen, die MINT-Bildung zu stärken, nehmen Fahrt auf. Mit Wettbewerben, Hochschulkooperationen und Berufsmessen wollen die Länder Schülerinnen und Schülern – vor allem Mädchen – den praktischen Nutzen technischer Fächer näherbringen. Gelingt dies, könnte nicht nur die Lücke von 164.000 Fachkräften verringert, sondern auch eine vielfältigere Belegschaft für die Zukunft geschaffen werden.
