Wie Europas Opernhäuser Social Media neu erfinden – auf Kosten der Musik?
Dimitri EigenwilligWie Europas Opernhäuser Social Media neu erfinden – auf Kosten der Musik?
Europas Opernhäuser ändern ihre Social-Media-Strategie
Opernhäuser in ganz Europa verändern die Art, wie sie sich in den sozialen Medien präsentieren. Viele setzen mittlerweile auf Lifestyle-Inhalte statt auf die Kunstform Oper selbst. Mit diesem Wandel wollen sie jüngere Zielgruppen ansprechen – doch oft gerät dabei die Musik in den Hintergrund.
Das Wiener Staatsoper-Instagram zeigt etwa die Moderatoren Hemma und Jakob, die die Oper als Spielwiese oder kulinarisches Erlebnis inszenieren. In ihren Tutorials geht es um Bestellungen am Pausenbuffet oder um grundlegende Benimmregeln für Opernbesuche.
Ähnlich verhält es sich bei der Festspielhaus Baden-Baden: Auf Instagram wird dort „Klassik und Spritz“ beworben, während die Moderatoren versuchen, mit trendigem Auftreten für Veranstaltungen zu werben. Parallel taucht auf verschiedenen Opern-Accounts die humorvolle Figur Opera Bert auf – meist in lockeren Szenen, um die Interaktion zu steigern.
Andere große Institutionen setzen auf unterschiedliche Strategien. Die Bayerische Staatsoper rückt die Musik in den Mittelpunkt und zeigt Gespräche zwischen Künstlern und Dirigenten. Die Staatsoper Berlin hingegen konzentriert sich auf die Beruhigung ihrer Sponsoren: Der Intendant dankt regelmäßig BMW und anderen Förderern.
Junge Influencer treiben diesen Trend weiter voran. Sie betonen Drinks, Dresscodes und „Überlebenstipps“ – während die musikalische Tiefe auf der Strecke bleibt. So wird die Oper zur bloßen Unterhaltung degradiert, zum Konsumgut statt zur Kunstform, die es zu würdigen gilt.
Die veränderte Vermarktung spiegelt einen größeren Wandel wider: Social Media setzt auf Zugänglichkeit und Lifestyle, nicht auf künstlerische Tiefe. Traditionelle Elemente der Oper drohen dabei in den Hintergrund zu geraten.
