27 March 2026, 14:38

Wie die AfD mit "Gemeinschaften des Misstrauens" die Demokratie herausfordert

Eine Gruppe von Menschen h├Ąlt ein Transparent mit der Aufschrift "├ľffne die Grenzen, rette Leben, bek├Ąmpfe Faschismus" vor einem Geb├Ąude mit Glasfenstern und einem Pfahl, mit einem Fahrrad und einer Tasche auf der Stra├če.

Wie die AfD mit "Gemeinschaften des Misstrauens" die Demokratie herausfordert

Der Aufstieg der rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD) spiegle tiefgreifendere Verschiebungen im öffentlichen Vertrauen wider, so der Soziologe Aladin El-Mafaalani. Seine jüngste Analyse warnt davor, dass selbst dann, wenn solche Parteien an die Macht kommen, ihre Misserfolge nicht automatisch das Vertrauen in die Demokratie wiederherstellen. Stattdessen, argumentiert er, bildeten ihre Anhänger eng vernetzte "Gemeinschaften des Misstrauens", die etablierte Institutionen vollständig ablehnten.

Die 2013 als Anti-Euro-Bewegung gegründete AfD hat sich zu einer rechtspopulistischen Kraft mit extremistischen Tendenzen gewandelt. Anfangs hatten Wahlrückschläge – wie das knappe Verfehlen des Einzugs in den Bundestag 2013 mit 4,7 Prozent – noch Bestandsprobleme signalisiert. Doch es folgte ein stetiger Aufstieg: 7 Prozent bei der Europawahl 2014 und bis 2026 eine gefestigte Fraktion unter der Führung von Tino Chrupalla und Alice Weidel. Selbst interne Konflikte, etwa der Abgang des liberal-konservativen Flügels 2015 zur Gründung der Partei Alfa, bremsten den Aufstieg nicht.

In seinem Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" untersucht El-Mafaalani, wie Menschen das Vertrauen in Staat, Gerichte, Wissenschaft und Medien verlieren. Er stellt fest, dass misstrauische Individuen sich gegenseitig suchen und in ihrer Skepsis bestärken. Digitale Plattformen hätten diesen Trend verstärkt, indem sie Gleichgesinnten ermöglichen, sich zu vernetzen und zu mobilisieren. Populistische Führer, so El-Mafaalani weiter, untergraben gezielt das Vertrauen in Institutionen, um ihre eigene Macht zu festigen.

Peter Unfried, Chefredakteur des Magazins "FUTURZWEI", hat die Frage aufgeworfen, wie diesem Aufstieg begegnet werden kann. El-Mafaalanis Arbeit legt nahe, dass herkömmliche Strategien – etwa das Bloßstellen der Inkompetenz der AfD – ihre Kernwählerschaft nicht überzeugen werden. Diese Wähler, erklärt er, gingen bereits davon aus, dass das System versagt habe, und sähen die feindselige Haltung der Partei gegenüber der liberalen Demokratie als Stärke, nicht als Schwäche an.

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El-Mafaalanis Erkenntnisse unterstreichen die Schwierigkeiten, populistische Erfolge rückgängig zu machen. Das Wachstum der AfD trotz breiter Kritik zeige, wie sich Misstrauen selbst verstärkt. Seine Forschung deutet darauf hin, dass neue Ansätze nötig sind, um das Vertrauen in demokratische Institutionen wieder aufzubauen – und zwar ohne die Annahme, dass das Scheitern extremistischer Bewegungen diese automatisch diskreditieren wird.

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