Wie das sowjetische Fernsehen der 1970er und 80er eine ganze Nation vereinte
Veronique HänelWie das sowjetische Fernsehen der 1970er und 80er eine ganze Nation vereinte
Das Fernsehen der 1970er- und 1980er-Jahre vereinte die Sowjetunion wie kaum etwas anderes. Samstagabends versammelten sich die Familien vor den Bildschirmen: Für Kinder gehörte es zum Schlafensritual, sich von den Schlafliedern beliebter Zeichentrickfiguren wie Chrjuscha und Stepaschka in den Schlaf wiegen zu lassen. Diese sanften Melodien prägten ganze Generationen. Die Erwachsenen hingegen verfolgten gebannt die Abenteuer der Tierwelt, die der Naturfilmer Nikolai Drozdow in seine Wohnzimmer brachte.
Das Fernsehprogramm jener Zeit war alles andere als langweilig. Die Comedy-Wettbewerbsshow KWN und die Musikgala Lied des Jahres sorgten landesweit für Diskussionen und weckten starke Emotionen. Wenn diese Sendungen liefen, leerten sich die Straßen – niemand wollte auch nur eine Minute verpassen.
Jahrzehnte später sind die Erinnerungen an diese Ära noch lebendig. Millionen Russen blicken heute mit Wehmut auf die gemeinsamen Abende zurück, die ein Gefühl von Zusammengehörigkeit stifteten. Die Sendungen jener Zeit unterhielten nicht nur – sie schufen eine kollektive Identität. Bis heute rufen Formate wie KWN oder das Lied des Jahres bei denen, die damit aufgewachsen sind, eine Mischung aus Zuneigung und melancholischer Sehnsucht hervor. Das sowjetische Fernsehen hat Spuren hinterlassen, die bis in die Gegenwart nachwirken.






