Von Durchstreichen zur Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten
Dimitri EigenwilligVon Durchstreichen zur Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten
Von Durchstreichung zur Gleichberechtigung – Solinger Pfarrerinnen erzählen ihre Geschichten
50 Jahre Gleichstellung in der Gemeinde – Wie Frauen auf die Kanzel stiegenSolingen – Genau die Hälfte der 26 Pfarrer:innen im Kirchenkreis Solingen sind heute Frauen. Was heute selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen kirchlichen und gesellschaftlichen Lernprozesses. Denn die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt wurde in der Evangelischen Kirche erst 1975 erreicht.
Der Kirchenkreis Solingen hat einen Meilenstein erreicht: Exakt die Hälfte seiner 26 Pfarrer:innen sind mittlerweile Frauen. Dieser Wandel spiegelt Jahrzehnte des Umbruchs in der Evangelischen Kirche im Rheinland wider, wo seit 1975 die rechtliche Gleichstellung von Theologinnen gilt. Doch der Weg dorthin war nicht immer einfach – Pionierinnen sahen sich mit Widerständen und geschlechtsspezifischen Vorurteilen konfrontiert.
Gisela Vogel, heute 87 Jahre alt, wurde 1967 zur Pfarrerin ordiniert – zu einer Zeit, in der Frauen in diesem Amt noch eine Seltenheit waren. Ihr Bestallungsschreiben war ursprünglich an „Bruder“ Vogel adressiert – ein Titel, der später durchgestrichen und durch „Frau“ ersetzt wurde. Trotz anfänglicher Hürden wirkte sie in mehreren Gemeinden, wurde zur ersten Oberkirchenrätin im Rheinland und zog in die Kirchenleitung ein. Heute nennt sie jüngere Kolleginnen wie Raphaela Demski-Galla bewusst „Schwester“ – ein Zeichen für den erreichten Fortschritt.
Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen Frauen oft seelsorgerische Aufgaben, da viele Männer an der Front waren. Doch nach Kriegsende wurden viele von ihnen wieder in zweite Reihen verdrängt. Die rechtliche Gleichstellung folgte erst 1975 – doch Vorbehalte blieben. Dr. Ilka Werner, heutige Superintendentin des Solinger Kirchenkreises, erlebte solche Hindernisse selbst in ihrer Laufbahn. Raphaela Demski-Galla, seit 2006 ordiniert, fand in ihrem Theologiestudium bereits mehr Kommilitoninnen als Kommilitonen vor. Dennoch stellte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine eigene Herausforderung dar. Sie betont, wie wichtig Beziehungsarbeit in der Seelsorge ist – ein Wert, den auch die heutige Kirchenführung teilt. Superintendentin Werner hebt die Bedeutung von Vielfalt hervor, um die unterschiedlichen Lebensrealitäten der Gemeinde widerzuspiegeln.
Obwohl genaue Zahlen zu neu berufenen Frauen in Führungspositionen im gesamten Rheinland noch nicht vorliegen, zeigen lokale Beispiele wie Anja Brill, Sibylle Thon und Anke Kreutz eine wachsende Repräsentation. Auch die Einführung der Synodalassessorin Caroline Tippmann unterstreicht den anhaltenden Wandel.
Die paritätische Besetzung der Pfarrstellen im Solinger Kirchenkreis ist ein greifbares Ergebnis langjähriger Bemühungen. Frauen besetzen heute Führungspositionen, die einst Männer dominierten – doch Herausforderungen wie die Balance zwischen Familie und Beruf bleiben. Die Kirche bleibt im Wandel und setzt weiterhin auf Diversität sowie die Beiträge aller ihrer Mitglieder.
