Virtuelle Fahrspuren: Wie Aachen den Stadtverkehr mit Automatisierung revolutioniert
Dimitri EigenwilligVirtuelle Fahrspuren: Wie Aachen den Stadtverkehr mit Automatisierung revolutioniert
An der RWTH Aachen läuft ein neues Forschungsprojekt, das den Stadtverkehr durch virtuelle Fahrspuren für automatisierte Logistikfahrzeuge revolutionieren soll. Die Initiative ViDeLL, geleitet vom Lehrstuhl für Production Engineering of E-Mobility Components (PEM), will drohende Verkehrsüberlastungen abwenden, während der Güterverkehr weiter wächst. Finanziert wird das Vorhaben von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens und der EU.
Das ViDeLL-Projekt entwickelt ein Verkehrskonzept mit Fokus auf innerstädtische Zustellungen auf der letzten Meile, Handelslogistik und industriellen Transport zwischen städtischen Produktionsstandorten. Statt physischer Sonderfahrstreifen setzt das Team auf intelligente Straßenmarkierungen, automatisierte Fahrzeuge und Sensoren in der Infrastruktur. Eine zentrale Steuerungsplattform soll die virtuellen Lösungen in Echtzeit koordinieren.
Das Konsortium untersucht, wie automatisierte Logistikfahrzeuge mit anderen Verkehrsteilnehmern interagieren. Zudem erarbeiten die Forscher ein Sicherheitssystem, bewältigen regulatorische Zulassungshürden und schlagen gesetzliche Anpassungen vor, um das neue System zu ermöglichen. Virtuelle Spuren gelten als kostengünstigere Alternative zu klassischen Infrastrukturausbauprojekten. Professor Achim Kampker, Leiter des PEM-Lehrstuhls, warnt, dass ohne Gegenmaßnahmen das steigende Frachtaufkommen die städtischen Straßen bald überlasten könnte. Das Projekt analysiert geeignete Einsatzszenarien für virtuelle Logistikspuren und entwickelt Algorithmen, die sie dynamisch anhand von Live-Verkehrsdaten zuweisen.
Ziel von ViDeLL ist ein rechtlich, technisch und wirtschaftlich tragfähiges Modell zur Integration automatisierter Logistik in den bestehenden Stadtverkehr. Bei Erfolg könnte der Ansatz Flexibilität und Effizienz steigern – ohne aufwendige physische Infrastrukturmaßnahmen. Die Erkenntnisse könnten zudem künftige Richtlinien für den urbanen Güterverkehr prägen.
