Thomas Frauendienst: Ein Leben zwischen Heimgewalt und spätem Trost
Hans-Günther KlappThomas Frauendienst: Ein Leben zwischen Heimgewalt und spätem Trost
Thomas Frauendienst wurde unmittelbar nach seiner Geburt den Eltern weggenommen und im Johanna-Helene-Heim in Volmarstein untergebracht. Mit angeborenen spastischen Klumpfüßen erlebte er jahrelangen Missbrauch, bevor er 1968 befreit wurde. Sein Fall steht seither symbolisch für das systematische Versagen im Umgang mit Kindern in westdeutschen Nachkriegseinrichtungen.
In der Nacht seiner Geburt wurde Frauendienst unter der Nummer 2033 in ein Register mit dem Titel „Kinder in Sonderverwendung“ eingetragen. Auf Anordnung des Chefarztes kam er direkt ins Heim, wo er schwere Vernachlässigung und Gewalt erlebte. Das Personal fesselte ihn wiederholt an sein Bett und zwang ihn, sein Erbrochenes wieder zu schlucken. Im Laufe der Zeit wurde er zudem von einem Peiniger innerhalb der Einrichtung vergewaltigt.
Erst als 1968 eine Diakonisse drohte, die Missstände öffentlich zu machen, wurde Frauendienst aus der Einrichtung geholt – schwer unterernährt. Zwar kehrte er zu seinen Eltern zurück, doch die Folgen des Leidens blieben. Jahrzehnte später zeigte eine Untersuchung, dass etwa jedes fünfte Kind oder jeder fünfte Jugendliche in Einrichtungen Nordrhein-Westfalens in jener Zeit missbräuchliche Medikamentenpraktiken erleben musste.
In den letzten Jahren erhielt Frauendienst eine begrenzte finanzielle Anerkennung für sein Leid. Die Diakonie Rheinland/Westfalen-Lippe zahlte ihm 5.000 Euro als Entschädigung, die Stiftung Anerkennung und Hilfe weitere 4.000 Euro.
Frauendienst’ Geschichte verdeutlicht die langfristigen Folgen institutioneller Gewalt im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Zwar erhielt er schließlich eine gewisse materielle Wiedergutmachung, doch die Zahlungen spiegeln nur einen Bruchteil des erlittenen Unrechts wider. Sein Fall bleibt Teil der größeren Aufarbeitung historischer Versäumnisse im Kinderschutz.






