Stille Andacht mitten im Oktoberfest-Trubel: Ein Gottesdienst wie aus der Zeit gefallen
Hiltrud BolnbachStille Andacht mitten im Oktoberfest-Trubel: Ein Gottesdienst wie aus der Zeit gefallen
Jedes Jahr, mitten im trubeligen Münchner Oktoberfest, findet im Marstall-Zelt ein stiller Gottesdienst statt. Während draußen das Volksfest in vollem Gange ist, versammelt sich eine kleine Gruppe zum Gebet und zum Singen von Kirchenliedern. Diese ungewöhnliche Tradition bietet einen seltenen Moment der Besinnung zwischen all dem Feiern.
Der Gottesdienst findet in der ersten Oktoberfestwoche statt. Nur sechs Männer nehmen teil, die beieinandersitzen und sich einen einzigen goldenen Kelch mit Wein reichen. Einer von ihnen spricht ein Gebet, darunter die Worte: "Und führe uns nicht in Versuchung." Irgendwann erhebt sich die kleine Runde und stimmt gemeinsam "Lobt den Herrn" an.
Diese Zusammenkunft ist mehr als nur eine religiöse Pause – sie spiegelt eine Dorfgemeinschaft ohne festen Platz oder Kirche wider. Auch der Pfarrer hat kein festes Gebäude, doch die Tradition lebt weiter. Der Kontrast zwischen dem lebhaften Treiben draußen und der feierlichen Andacht macht diesen Moment zu einem einzigartigen Schauspiel innerhalb des großen Festes.
Ähnliche temporäre Gottesdienste gibt es auch anderswo. In Recklinghausen etwa findet während des Palmkirmes-Festes am 22. März im "Leo's Treff" ein mobiler Kirchendienst statt. Zwar sind die genauen Teilnehmerzahlen unklar, doch die Tradition hält sich in verschiedenen Formen in ganz Deutschland.
Der Gottesdienst im Marstall-Zelt bleibt ein kleiner, aber beständiger Teil des Oktoberfests. Er verbindet Glauben und Festtagsstimmung auf unerwartete Weise. Für die Teilnehmer ist es ein Moment der stillen Verbundenheit, bevor das Feiern weitergeht.






