Stefan Raabs TV-Skandal: Antisemitische Klischees am Holocaust-Gedenktag
Dimitri EigenwilligStefan Raabs TV-Skandal: Antisemitische Klischees am Holocaust-Gedenktag
Eine umstrittene TV-Sequenz des Komikers Stefan Raab hat die Debatte über Antisemitismus in deutschen Medien neu entfacht. Die umstrittene Sendung, die ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag ausgestrahlt wurde, bediente sich beleidigender Klischees über Jüdinnen und Juden – darunter die Behauptung eines 'Betrüger-Gens' und die Fixierung auf Geld. Das Opfer der Spottattacke, der Sänger Gil Ofarim, war zuvor bereits in die Kritik geraten, nachdem er 2021 fälschlicherweise einen Hotelmitarbeiter der antisemitischen Belästigung beschuldigt hatte.
Der Streit begann im Oktober 2021, als Ofarim, ein eher kleinerer Prominenter, einem Hotelangestellten in Leipzig antisemitisches Verhalten vorwarf. Die Anschuldigung stellte sich später als haltlos heraus, und der Fall wurde gegen eine Geldstrafe beigelegt. Dennoch erlitt Ofarims Ruf im Januar 2024 weiteren Schaden – ausgerechnet in einer Sonderfolge der Stefan Raab Show.
Am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, strahlte Raab eine Sequenz aus, in der Ofarim lächerlich gemacht wurde. Dazu gehörte eine fingierte Spielshow mit dem Titel Geld oder Gil, Witze über ein angebliches 'Betrüger-Gen', das von einem erfundenen 'Onkel Samuel' vererbt worden sei, sowie Aufnahmen von ultraorthodoxen Juden, die zu Ofarims Musik tanzten. Zudem wurde angedeutet, seine Lieder seien nur in der 'jüdischen Community' erfolgreich – allesamt schädliche Stereotype, die hier reproduziert wurden.
Der Sender RTL nahm den Beitrag später offline und räumte ein, dass er zu Missverständnissen führen konnte. Ofarim selbst war Anfang 2024 bei Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! zu sehen, weigerte sich jedoch, den Vorfall zu kommentieren, und berief sich auf eine Vertraulichkeitsvereinbarung. Die anderen Kandidaten drängten ihn zunächst auf Antworten, ließen das Thema dann aber fallen.
Die Affäre hat scharfe Kritik ausgelöst und wirft ein Schlaglicht auf den Kontrast zwischen Raabs unangefochtener Medienpräsenz und Ofarims angeschlagenem Image. Zwar erkannte RTL die Problematik der Sequenz an, doch der Vorfall unterstreicht die anhaltenden Bedenken hinsichtlich antisemitischer Klischees in der Unterhaltungsbranche. Rechtliche Einigungen und mediale Entschuldigungen haben bisher wenig dazu beigetragen, die grundsätzliche Frage zu klären, wie Jüdinnen und Juden in der öffentlichen Debatte dargestellt werden.
