02 February 2026, 21:23

Rita Süssmuths stiller Kampf gegen AIDS prägte den Bundestag und die Gesellschaft

Eine große Gruppe von Menschen auf einer LGBTQ+-Rechtsmarsch in Berlin, die Fahnen und Plakate halten, mit Gebäuden, einem Kran und einem bewölkten Himmel im Hintergrund.

Rita Süssmuths stiller Kampf gegen AIDS prägte den Bundestag und die Gesellschaft

Rita Süssmuth, eine der einflussreichsten Politikerinnen ihrer Zeit, prägte die deutsche Politik mit ruhiger Entschlossenheit. 1937 in Wuppertal als Tochter eines Schulrats geboren, stieg sie aus der akademischen Welt auf und wurde zu einer Schlüsselfigur der CDU. Ihre Karriere stand für den Vorrang praktischer Lösungen vor ideologischer Starrheit.

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1985 betrat Süssmuth die Bundespolitik, als sie als Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit vereidigt wurde. Im Bonner Bundestag leistete sie ihren Amtseid mit dem traditionellen Unionssatz "So wahr mir Gott helfe". Das von ihr geführte Ministerium verfügte über ein bescheidenes Budget und wenig Raum für Kontroversen – doch sie formte es zu einer Plattform für fortschrittlichen Wandel um.

Ihr Aufstieg in der CDU verdankte sie auch Heiner Geißler, der die Partei drängte, sich von patriarchalen Traditionen zu lösen. Als Ministerin ging sie die AIDS-Krise entschlossen an, lehnte Zwangstests und Diskriminierung ab. Stattdessen schuf sie Bündnisse mit Ärzten, Wissenschaftlern und Betroffenen, um die öffentliche Meinung zu ändern. Bis zum Herbst 1987 fand ihr liberaler Präventionsansatz – geprägt von Aufklärung und Solidarität – breite Unterstützung.

Süssmuth startete die Kampagne "Gib AIDS keine Chance", finanzierte TV-Spots und Plakate, um Sexualität zu enttabuisieren und den Gebrauch von Kondomen zu fördern. 1988 gründete sie das AIDS-Zentrum beim Bundesgesundheitsamt, um Diagnostik und Forschung zu stärken. Noch im selben Jahr wurde sie Bundestagspräsidentin – ein Amt, das sie ein Jahrzehnt lang innehatte. Radikal nannte sie ihre Arbeit nie, für sie war es schlicht "gesunder Menschenverstand".

Zeitlebens setzte sie auf Unvollkommenheit und bevorzugte – wie sie berühmt sagte – "jedes krumme Holz" vor glatter Anpassung. Ihre Weigerung, sich reaktionären Strömungen wie der "geistig-moralischen Wende" anzuschließen, machte sie einzigartig. Nicht Ideologie, sondern Werte leiteten ihr Handeln.

Süssmuths Vermächtnis gründet auf ihrer Fähigkeit, Mitgefühl in Politik umzusetzen. Ihre AIDS-Initiativen revolutionierten die öffentliche Gesundheit, während ihre Führung im Bundestag sie zu einer prägenden Figur ihrer Epoche machte. Sie bewies: Nicht Getöse, sondern Beharrlichkeit schafft nachhaltigen Wandel.