24 December 2025, 17:14

Radikale Kunst und provokante Filme: Die Tödliche Doris in Bremen

Eine Gruppe von Menschen untersucht Plakate und Diagramme, die an einer Wand in einem Raum zu sein scheinen, der wie ein Kunstmuseum aussieht.

Radikale Kunst und provokante Filme: Die Tödliche Doris in Bremen

Im Weserburg Museum in Bremen ist eine große Retrospektive der einflussreichen West-Berliner Künstlergruppe Die Tödliche Doris eröffnet worden. Die Ausstellung bietet erstmals einen umfassenden Einblick in das Schaffen des Kollektivs, das sich über Punkmusik, filme, Performance und bildende Kunst erstreckte. Gegründet 1980, machte die Gruppe mit ihrem radikalen, disziplinübergreifenden Ansatz und gesellschaftskritischen Werken auf sich aufmerksam.

Den Anfang nahm das Kollektiv 1980, als die Kunst- und Filmstudenten Wolfgang Müller und Nikolaus UtermöhlenDie Tödliche Doris in West-Berlin ins Leben riefen. Ursprünglich als Punkband gestartet, erweiterten sie ihr Wirken bald auf Film, Fotografie, Literatur und filme. Ihr Auftritt 1981 beim Festival der Genialen Dilettanten in Berlin stellte sie an die Seite weiterer Schlüsselfiguren der Underground-Szene.

Eines ihrer umstrittensten Werke war der Film Das Leben von Sid Vicious, der mit provokantem Inhalt und symbolischer Subversion für Empörung sorgte. 1987 wagte sich die Gruppe mit einem konzeptuellen Beitrag an die Malerei – gezeigt auf der documenta in Kassel – ein leiser, aber entschlossener Punk-Statement. Nach Utermöhlens Tod 1994 übernahm Wolfgang Henning die Führung und prägte die späteren Projekte des Kollektivs. Die Bremer Ausstellung zeigt unter anderem Die Gesamtheit allen Lebens und alles Darüber Hinaus, ein Gemälde, das im Laufe der Zeit von Besuchern, Journalisten und Freunden verändert wurde. Kurator Radek Krolczyk betont die dynamische Atmosphäre der Schau, in der gleichzeitig laufende Super-8-filme eine vielschichtige, immersive Erfahrung schaffen. Anders als viele Retrospektiven jener Zeit verzichtet diese auf pompöse Inszenierung und bleibt damit dem zurückhaltenden, doch radikalen Ethos der Gruppe treu.

Die Ausstellung präsentiert Die Tödliche Doris als grenzenüberschreitende Kraft in Kunst und Musik. Ihr Werk – zwischen Film, Performance und visuellen Medien – hinterfragte kulturelle Normen und bewahrte dabei stets eine unverwechselbare, oft subversive Stimme. Die Retrospektive ist im Zentrum für Künstlerpublikationen des Weserburg Museums zu sehen.

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