10 January 2026, 00:56

Preissturz bei Fleisch und Milch bringt deutsche Lebensmittelbranche ins Wanken

Eine Glasvitrine in einem Fleischgeschäft, die Tabletts mit Fleisch und Preisschildern zeigt, mit Gebäuden und Bäumen im Fenster und der Decke des Raums oben im Bild.

Preissturz bei Fleisch und Milch bringt deutsche Lebensmittelbranche ins Wanken

Ein drastischer Preisverfall bei Fleisch und Milchprodukten bringt die deutsche Lebensmittelbranche in Turbulenzen. Supermärkte wie Aldi Süd und Norma haben die Preise für Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch deutlich gesenkt. Gleichzeitig schließen große Verarbeiter Werke und setzen Hunderte Mitarbeiter vor die Tür.

Die Preissenkungen folgen auf monatelang sinkende Erzeugerpreise, wobei die Werte für Milch und Schweinefleisch bereits seit dem letzten Herbst fallen. Nun macht sich der Druck entlang der gesamten Lieferkette bemerkbar – von den Erzeugern bis zum Handel.

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Den Anfang machte Butter, die mittlerweile für unter 1 Euro pro 250 Gramm angeboten wird. Schnell weiterten die Supermärkte die Rabatte auf andere Produkte aus. Aldi Süd reduzierte die Preise für vorgepacktes Gyros, Schweineschnitzel, Koteletts und Gulasch. Norma zog nach und senkte die Kosten für Schweinekoteletts, Minute-Steaks und Hackfleisch. Eine 800-Gramm-Packung Schweinehack kostet bei Aldi Süd nun nur noch 3,79 Euro.

Hinter den Preiskämpfen im Einzelhandel leiden Landwirte und Verarbeiter. Die Erzeugergemeinschaft für Vieh und Fleisch (VEZG) senkte kürzlich ihren Richtpreis für Schweinefleisch um 15 Cent auf 1,45 Euro pro Kilogramm. Der Geflügelproduzent Gut Stetten meldete Insolvenz an und führte den Schritt auf den harten Preiskampf und hohe Betriebskosten zurück. Das Unternehmen machte zudem eine geringe Auslastung der Kapazitäten für seine finanziellen Probleme verantwortlich. Die Auswirkungen erreichen auch die verarbeitende Industrie: Der Fleischkonzern Vion kündigte an, sein Rinderschlachtwerk in Hilden zu schließen – rund 160 Arbeitsplätze sind bedroht. Auch der Wurstwarenhersteller EWN Wurstspezialitäten wird sein Werk in Britz schließen, was 500 Mitarbeiter betrifft. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) warnte, der anhaltende Preisdruck werde den Strukturwandel in der Schweinehaltung beschleunigen und kleinere Betriebe aus dem Markt drängen.

Die Preissenkungen im Handel haben für die gesamte Branche Folgen: Verarbeiter drosseln die Produktion, Landwirte sehen ihre Gewinne schrumpfen. Da die Preise für Milch und Fleisch weiter fallen, sind weitere Werksschließungen und Entlassungen zu erwarten.

Experten gehen davon aus, dass sich der Trend fortsetzt, solange der Einzelhandel um Kunden wirbt. Kurzfristig profitieren Verbraucher von den günstigeren Preisen – doch die langfristigen Auswirkungen auf die Erzeuger bleiben ungewiss.