Mehr Arbeitsstunden oder Reformen? Deutschlands Wirtschaft sucht den richtigen Weg
Hiltrud BolnbachSpahn drängt auf Tempo bei Reformen - Mehr Arbeitsstunden oder Reformen? Deutschlands Wirtschaft sucht den richtigen Weg
Deutschlands Wirtschaftssorgen entfachen neue Debatte über Arbeitszeiten, Rentenalter und Wachstumspolitik
Im Jahr 2024 leisteten Arbeitnehmer in Deutschland mit 61,3 Milliarden Arbeitsstunden so viele wie nie zuvor – doch die durchschnittliche Wochenarbeitszeit blieb unter dem europäischen Durchschnitt. Nun drängen Spitzenpolitiker auf Reformen, um die Produktivität zu steigern und das Vertrauen in die Regierung zu stärken.
Aktuelle Zahlen zeigen, dass Deutsche im vergangenen Jahr im Schnitt 34,3 Arbeitsstunden pro Woche arbeiteten – weniger als der EU-Durchschnitt von 36,8 Stunden. Bezahlte Überstunden sanken auf 13,1 Stunden pro Beschäftigten, unbezahlte auf 15,1 Stunden. Trotz des Rekordwerts von 61,3 Milliarden Arbeitsstunden verdeutlichen die Daten weiterhin eine Lücke zu den Nachbarländern.
Der CDU-Politiker Jens Spahn fordert Maßnahmen, um das Gesamtvolumen der Arbeitsstunden zu erhöhen. Er lehnt die SPD-Forderung nach mehr Teilzeitarbeit ab und argumentiert, dass längere Arbeitszeiten die Wirtschaftsleistung stärken könnten. Zudem schlägt Spahn Steuererleichterungen vor, um Gründer und Unternehmer zurück nach Deutschland zu locken – ein Schritt, den er als entscheidend für die Erholung der Wirtschaft bezeichnet.
Sein Parteikollege Karl-Josef Laumann warnt, die wirtschaftliche Stagnation drohe das Land "beinahe unregierbar" zu machen. Er spricht sich für eine schrittweise Anhebung des Rentenalters und eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit aus, um die Belastung der Rentenversicherung zu verringern. Gleichzeitig betonen führende Unionspolitiker, dass die Beliebtheit der Regierung davon abhängt, ob es gelingt, das Wachstum anzukurbeln – und fordern schnellere Reformen, um das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen.
Die Vorschläge kommen zu einer Zeit, in der Deutschland mit unterdurchschnittlichen Arbeitszeiten und wirtschaftlicher Schwäche kämpft. Steueranreize für Unternehmer und Anpassungen der Rentenregeln stehen nun zur Diskussion. Ob diese Maßnahmen die Produktivität steigern und die öffentliche Unterstützung stabilisieren können, bleibt die entscheidende Frage.
