Mainz verwandelt Gefängnis und Bahnhofplatz in moderne Wahrzeichen der Stadt
Hiltrud BolnbachMainz verwandelt Gefängnis und Bahnhofplatz in moderne Wahrzeichen der Stadt
Mainz hat in den vergangenen Jahrzehnten zwei prägende Orte grundlegend verwandelt. Der eine war ein berüchtigtes Gefängnis in der Altstadt, das 2002 nach Jahren harter Haftbedingungen geschlossen wurde. Der andere, der Bahnhofplatz, war einst eine lebhafte Drehscheibe mit Straßenbahnen und Läden wie Babyland – heute prägen moderne Hotels und Restaurants das Bild.
Das Mainzer Gefängnis stand fast ein Jahrhundert lang am Isenburg-Karree. Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut, diente es später vor allem als Untersuchungshaftanstalt. In den engen, verwahrlosten Zellen – jede kaum acht Quadratmeter groß – vegetierten bis zu 300 Häftlinge dahin. Unter ihnen befanden sich auch prominente Gefangene wie der „Wormser Hammer-Mörder“ und ein ehemaliges Mitglied der Rote Armee Fraktion (RAF), die beide auf ihren Prozess warteten.
Im Dezember 2002 wurde die Anlage geschlossen; die Insassen verlegte man in die neue Justizvollzugsanstalt Rohrbach bei Wöllstein. Nach umfangreichen Umbauten entstand aus dem alten Gefängnis ein moderner Verwaltungssitz. Heute beherbergt es den Präsidenten des Landtags Rheinland-Pfalz sowie die Parlamentsverwaltung. Auch der Bahnhofplatz hat sich radikal gewandelt: Fotos aus den frühen 1990er-Jahren zeigen noch Straßenbahnen, die am Babyland-Werbeschild des Ingelheimer Kinderladens vorbeifuhren, sowie das einstige Central Hotel Eden. An dessen Stelle stehen nun das AC Hotel by Marriott und das Restaurant Adam und Eden. Historische Aufnahmen des Gefängnisses aus den Jahren 1989 bis 2002, die seine letzten Betriebsjahre dokumentieren, wurden später dem Merkurist überlassen.
Aus dem düsteren Erbe des alten Gefängnisses wurden Regierungsbüros, und die einst von Straßenbahnen geprägte Fläche des Bahnhofplatzes ist heute eine Adresse für Hotellerie und Gastronomie. Beide Orte spiegeln Mainz’ Wandel von historischen Institutionen zu modernen urbanen Räumen wider – wobei Fotos und Archive die Spuren vergangener Jahrzehnte bewahren.
