10 February 2026, 20:18

Kölner Karneval meidet Putin-Motiv – doch die Satire bleibt politisch scharf

Eine Karikatur in einer russischen Zeitung mit dem Titel "Die russische Revolution" zeigt einen Mann in Anzug, Mantel und Hut auf einem Podest, der entschlossen in eine Menge schaut.

Kölner Karnevalisten verteidigen das Fehlen von Putin-Schwimmwagen - Kölner Karneval meidet Putin-Motiv – doch die Satire bleibt politisch scharf

Kölner Karneval verzichtet in diesem Jahr auf Putin-Motiv – trotz Tradition der politischen Satire

Der diesjährige Rosenmontagszug in Köln wird auf einen Wagen mit einer Karikatur des russischen Staatsoberhaupts Wladimir Putin verzichten. Stattdessen wird der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly das Thema in seiner eigenen Kreation aufgreifen. Die Entscheidung fällt zu einer Zeit, in der russische Behörden gegen Tilly wegen seiner früheren satirischen Werke strafrechtlich vorgehen.

Der Kölner Zugleiter Marc Michelske bestätigte, dass der Umzug am Rosenmontag keinen Spottwagen zu Putin beinhalten werde. Er rechtfertigte die Entscheidung damit, dass Tilly – ein renommierter Wagenbauer – das Thema separat behandeln werde. Michelske wies Vorwürfe zurück, die Entscheidung sei aus Angst vor russischen Repressalien getroffen worden, und betonte, es gehe vielmehr darum, sicherzustellen, dass ein Putin-Motiv dennoch zu sehen sein werde – nur nicht in Köln.

Russische Staatsanwälte haben bereits ein Strafverfahren gegen Tilly eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, mit seinen Karnevalsmotiven 'Falschinformationen' über die russische Armee verbreitet zu haben. Zwar gab es vor Ende 2025 keine offiziellen Reaktionen aus Moskau auf seine Werke, doch Tilly erhielt über die Jahre hinweg immer wieder Todesdrohungen wegen seiner politischen Satire. Der aktuelle Fall markiert jedoch das erste Mal, dass russische Behörden ihn offiziell aufgrund von Gesetzen gegen die Verunglimpfung staatlicher Institutionen ins Visier nehmen.

Christoph Kuckelkorn, Präsident des Kölner Festkomitees, unterstützte Michelskes Entscheidung. Tilly selbst wies unterdessen Vergleiche mit inhaftierten russischen Oppositionellen zurück, auch wenn er aufgrund möglicher Auslieferungsrisiken inzwischen mit Reisebeschränkungen konfrontiert ist. Trotz der Bedrohungen lässt er sich nicht einschüchtern.

Der Kölner Zug wird dennoch andere politische Figuren auf die Schippe nehmen – darunter den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump sowie die Streitigkeiten innerhalb der deutschen Ampelkoalition.

Tillys Putin-Wagen wird stattdessen in Düsseldorf zu sehen sein, während der Kölner Umzug ohne dieses Motiv stattfindet. Der Fall gegen ihn unterstreicht die wachsenden Risiken für Künstler, die ausländische Regierungen kritisieren. Die Karnevalstradition der scharfen politischen Satire lebt zwar weiter – doch sie sieht sich zunehmend rechtlichen und logistischen Herausforderungen gegenüber.

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