Kölner Archiv-Einsturz 2009: Wie eine U-Bahn-Baustelle Geschichte zerstörte
Hans-Günther KlappKölner Archiv-Einsturz 2009: Wie eine U-Bahn-Baustelle Geschichte zerstörte
Einer der verheerendsten Bauschäden Kölns ereignete sich 2009, als das historische Stadtarchiv in eine U-Bahn-Baustelle einstürzte. Das Gebäude beherbergte 1,7 Millionen Dokumente, einige davon über tausend Jahre alt. Mehr als ein Jahrzehnt später sind die Narben dieses Unglücks noch immer sichtbar – und die Folgen ungelöst.
Der Einsturz ereignete sich während der Bauarbeiten für die Nord-Süd-Stadtbahn, ein Projekt unter der Aufsicht der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Obwohl die KVB keine Erfahrung mit derart großflächigen Ausgrabungen hatte, wurde das Vorhaben vorangetrieben. Schon Wochen vor der Katastrophe hatte sich das Archivgebäude bedrohlich geneigt – doch es wurde nichts unternommen.
Kritische Stahlträger, die die Baustelle stabilisieren sollten, waren vor dem Einsturz verschwunden. Spätere Ermittlungen ergaben, dass sie gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Als der Boden nachgab, riss ein gewaltiger Krater auf, der das Archiv vollständig verschlang. Zwei junge Männer, die in benachbarten Häusern lebten, kamen ums Leben, als der plötzliche Grundwassereinbruch ihre Wohnhäuser destabilisierte.
Rettungskräfte verbrachten Monate damit, durch Schutt und zerrissene Papiere zu sieben. Einige Dokumente wurden erst 2010 geborgen, andere gingen für immer verloren. Der Einsturz verursachte auch schwere strukturelle Schäden an nahegelegenen Wahrzeichen, darunter tiefe Risse in den Kirchen St. Maria im Kapitol und St. Georg.
Die juristischen Konsequenzen zogen sich über Jahre hin. Verurteilungen aus dem Jahr 2018 wurden später aufgehoben, und bis 2024 waren alle noch anhängigen Verfahren eingestellt worden. Unterdessen blieb die Baustelle selbst eine offene Wunde im Stadtbild. Erst 2023 wurde der Krater teilweise verfüllt.
Trotz der Tragödie wurden die Arbeiten an der Nord-Süd-Stadtbahn fortgesetzt. Die neue Strecke soll nach ihrer Fertigstellung die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen.
Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs bleibt eine der düstersten Baustellenkatastrophen der Stadt. Zwei Menschen verloren ihr Leben, unersetzliche historische Aufzeichnungen wurden vernichtet, und benachbarte Gebäude beschädigt. Während das U-Bahn-Projekt voranschreitet, wirken die rechtlichen und physischen Folgen der Katastrophe bis heute nach.






