Humboldt Forum: Berlins umstrittenes Prestigeprojekt sucht noch seinen Platz
Dimitri EigenwilligHumboldt Forum: Berlins umstrittenes Prestigeprojekt sucht noch seinen Platz
Das Humboldt Forum in Berlin steht seit seiner Eröffnung vor fünf Jahren kontinuierlich in der Kritik. Trotz seines anspruchsvollen Kulturprogramms ringt die Institution noch immer um ihre Identität und öffentliche Wahrnehmung. Im vergangenen Jahr verzeichnete es rund 634.000 Besucher – ein Bruchteil der Zahlen des Louvre.
Finanziell getragen von vermögenden rechtkonservativen Spendern, sollte das Forum preußischen Glanz ausstrahlen. Doch viele Kritiker bemängeln, dass es im modernen Berlin deplatziert wirkt. Besonders seine Architektur und die kolonialen Bezüge stehen in der Kritik.
Unter seiner kreuzgekrönten Kuppel beherbergt das Forum heute das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Zwar setzen sich seine Veranstaltungen mit drängenden Themen wie Restitution, demokratischem Abbau und künstlerischer Freiheit auseinander, doch das Publikum besteht größtenteils aus Touristen. Der monumentale Bau selbst – mit seinen flughafenartigen Rolltreppen und Betonfluren – überlagert oft die inhaltliche Arbeit.
Künstlerische Interventionen wie Sarah Ama Duahs Performance to build to bury to remember hinterfragen koloniale Erzählungen, indem sie Objekte als autonome Körper präsentieren. Das Forum hat zudem öffentliche Debatten über Raubkunst und koloniale Gewalt beschleunigt. Dennoch wirkt die Atmosphäre mitunter befremdlich, als habe es seinen Platz im kulturellen Gefüge der Stadt noch nicht ganz gefunden.
Das Humboldt Forum bleibt ein Diskussionspunkt über seine Rolle und Bedeutung. Die Besucherzahlen bleiben im Vergleich zu anderen großen Museen bescheiden. Seine Zukunft hängt davon ab, wie gut es seinen monumentalen Anspruch mit den Erwartungen eines zeitgenössischen Publikums in Einklang bringen kann.
