Historischer Kartellprozess: Edelstahlbranche vor Gericht wegen jahrelanger Preisabsprachen
Veronique HänelStahllegierungen: Gab es Absprachen zwischen Herstellern? - Historischer Kartellprozess: Edelstahlbranche vor Gericht wegen jahrelanger Preisabsprachen
Ein großer Gerichtsprozess wegen angeblicher Preisabsprachen in der Edelstahlbranche beginnt in dieser Woche. Das Oberlandesgericht Düsseldorf wird Vorwürfe prüfen, wonach Unternehmen über ein Jahrzehnt hinweg heimlich Preise abgestimmt haben sollen. Zwei Firmen und ihre Manager wehren sich gegen Bußgelder, die Regulierungsbehörden bereits vor Jahren verhängt hatten.
Die Ermittlungen begannen im November 2015, nachdem Kartellbehörden mehrere Unternehmen durchsucht hatten. Ein Kronzeugenantrag eines der beteiligten Unternehmen löste die Untersuchungen aus. Später warf die Behörde zehn Edelstahlherstellern, zwei Branchenverbänden und siebzehn Einzelpersonen illegale Preisabsprachen vor.
Zwischen Ende 2002 und Anfang 2016 sollen die Unternehmen zentrale Preiskomponenten für den Verkauf von Edelstahl abgestimmt haben. Das Bundeskartellamt verhängte daraufhin 2018 und 2021 Strafen in Höhe von insgesamt 355 Millionen Euro. Die meisten dieser Bußgelder sind inzwischen rechtskräftig, doch zwei Unternehmen und jeweils ein Manager legten gegen ihre Sanktionen Widerspruch ein.
Der Prozess beginnt am Mittwoch und wird bis Ende Januar dauern. Siebzehn weitere Verhandlungstermine sind angesetzt, um die Beweislage detailliert zu prüfen. Der Fall, der als „Edelstahlverfahren“ bekannt wurde, zählt zu den größten Kartelluntersuchungen der jüngeren deutschen Geschichte. Scheitern die Berufungen, bleiben die Strafen bestehen, und die Unternehmen müssen die vollen Beträge zahlen. Eine Entscheidung wird nach Abschluss der Anhörungen im kommenden Jahr erwartet.






