Häusliche Gewalt gegen Frauen steigt – neue Hilfsstellen an Bahnhöfen helfen über 200 Betroffenen
Veronique HänelBundespolizistinnen beraten Gewaltopfer: Arzt oder Anzeige? - Häusliche Gewalt gegen Frauen steigt – neue Hilfsstellen an Bahnhöfen helfen über 200 Betroffenen
Häusliche Gewalt gegen Frauen in Deutschland stieg 2024 um 3,5 Prozent an
Im Jahr 2024 registrierten die Behörden in Deutschland 187.128 Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen – ein Anstieg um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Als Reaktion darauf wurden neue Hilfsangebote geschaffen, darunter spezialisierte Beratungsstellen an großen Bahnhöfen. Diese Einrichtungen, betreut von geschulten Polizeibeamtinnen, haben seit ihrer Eröffnung bereits über 200 Betroffenen geholfen.
Die erste Anlaufstelle eröffnete am 15. August 2024 am Berlin Hauptbahnhof, eine zweite folgte am 29. September 2025 am Kölner Hauptbahnhof. Beide Standorte wurden wegen des hohen Passengeraufkommens gewählt, um Frauen in Not leicht zugänglich zu sein.
Die Mitarbeiterinnen vor Ort leisten Soforthilfe: Sie vermitteln Plätze in Frauenhäusern oder veranlassen, dass Täter vorübergehend aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden. Einige Betroffene werden auch in Krankenhäuser gebracht, um medizinische Versorgung zu erhalten oder Beweise für die Gewalttaten zu dokumentieren.
Bisher haben die Beratungsstellen über 200 Fälle bearbeitet. Doch ihre Zukunft ist über September 2027 hinaus ungewiss, da weder eine dauerhafte Finanzierung noch eine Ausweitung des Angebots feststeht. Stand Februar 2026 sind keine weiteren Bundesbahnhöfe für ähnliche Einrichtungen in der Diskussion.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte die Notwendigkeit stärkerer politischer Maßnahmen. Der Anstieg der gemeldeten Fälle könnte seiner Einschätzung nach entweder auf eine tatsächliche Zunahme der Gewalt oder darauf hindeuten, dass sich mehr Betroffene trauen, Hilfe zu suchen.
Die Pilotprojekte in Berlin und Köln laufen zwar weiter, doch ihre langfristige Perspektive bleibt unklar. Angesichts steigender Fallzahlen bleibt der Bedarf an solchen Hilfsangeboten hoch. Noch ist offen, ob weitere Standorte hinzukommen oder die bestehenden verlängert werden.
