11 December 2025, 02:55

Gerresheimer unter Beschuss: Leerverkäufer attackieren Bilanztricks und Aktienkurs schwankt

Ein Prospekt mit einem Unternehmenslogo und einem Bild einer Tasse.

Gerresheimer unter Beschuss: Leerverkäufer attackieren Bilanztricks und Aktienkurs schwankt

Gerresheimer-Aktie: Angriff durch Leerverkäufer

Kurzfassung Ein Analysehaus wirft dem Pharmaverpacker aggressive Bilanzierung vor und hält gleichzeitig eine Short-Position. Die UBS kritisiert die Informationspolitik des Unternehmens, während sich die Aktie nach einem Verkaufsdruck leicht erholt.

Der Pharmaverpackungshersteller Gerresheimer sieht sich schweren Vorwürfen wegen aggressiver Bilanzierungspraktiken ausgesetzt. Die von der Forschungsfirma Morpheus Research erhobenen Anschuldigungen haben Kritik an der finanziellen Transparenz des Unternehmens ausgelöst. Dennoch stieg die Aktie am Mittwoch um über 3 % und erholte sich damit von einem vorherigen Tiefstand bei 24,68 Euro.

Im Mittelpunkt der Kontroverse steht auch die jüngste Übernahme von Bormioli Pharma durch Gerresheimer. Diese wurde wegen des hohen Kaufpreises und der schwachen finanziellen Performance des übernommenen Unternehmens im Jahr 2023 kritisiert.

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Morpheus Research, das selbst eine Leerverkaufsposition gegen Gerresheimer hält, wirft dem Konzern vor, sein organisches Wachstum durch bilanzielle Tricks künstlich aufgebläht zu haben. In einem Bericht heißt es, Gerresheimer könnte Umsätze vorzeitig verbucht und Forderungsverkäufe (Factoring) genutzt haben, statt sich auf echte Cashflows zu stützen. Sollten sich diese Praktiken bestätigen, könnten sie gegen die International Financial Reporting Standards (IFRS) verstoßen.

Derselbe Analyseanbieter hatte zuvor bereits ähnliche Bedenken gegenüber Intellego Technologies geäußert und dessen unrealistisch hohe Gewinnmargen sowie die Umsatzmeldungen infrage gestellt. Zwar wurden in den aktuellen Vorwürfen keine weiteren Unternehmen genannt, doch deutet das Muster der Prüfungen auf grundsätzliche Zweifel an der finanziellen Transparenz in der Branche hin.

Die Übernahme von Bormioli Pharma im Dezember 2024 hat die Kritik zusätzlich befeuert. Das übernommene Unternehmen hatte 2023 einen Nettoverlust von rund 8 Millionen Euro ausgewiesen, während die Umsätze 2024 stagnierten. Analysten zweifeln daran, ob der Kaufpreis angesichts der finanziellen Schwäche des Zielunternehmens gerechtfertigt war.

Die Großbank UBS belässt unterdessen ihre Einschätzung für die Gerresheimer-Aktie auf „neutral“ und setzt das Kursziel bei 29 Euro an. Gleichzeitig übt sie scharfe Kritik an der mangelnden Transparenz des Unternehmens – was die Sorgen der Anleger weiter schürt. Gerresheimer steht nun vor der Herausforderung, die Vorwürfe zu entkräften und das Vertrauen in seine Finanzberichterstattung wiederherzustellen.

Trotz der anhaltenden Kontroverse erholte sich der Aktienkurs am Mittwoch auf über 25,90 Euro. Das Unternehmen muss nun überzeugende Belege vorlegen, um die Anschuldigungen zu widerlegen und seine finanziellen Offenlegungen zu verbessern. Wie es darauf reagiert, wird maßgeblich darüber entscheiden, ob das Anlegervertrauen in den kommenden Monaten zurückgewonnen werden kann.