Europas Landwirtschaft am Scheideweg: Genomeditierung als Rettung oder Risiko?
Hans-Günther KlappTopmanager fürchtet wirtschaftlichen Graben zum USA - Europas Landwirtschaft am Scheideweg: Genomeditierung als Rettung oder Risiko?
Die Debatte über genomeditierte Lebensmittel in Europa hat eine praktischere Wendung genommen: Mittlerweile überwiegen die Kostenbedenken die Ängste vor der Technologie selbst. Matthias Berninger, der Chef-Lobbyist von Bayer, betonte diesen Wandel und warnte zugleich, dass Europas landwirtschaftliche Zukunft davon abhängt, neue biotechnologische Methoden zu akzeptieren. Ohne sie drohe der Kontinent in der globalen Nahrungsmittelproduktion den Anschluss zu verlieren.
Berninger machte deutlich, dass Europas Wettbewerbsfähigkeit in der Landwirtschaft entscheidend davon abhängt, regulatorische Hürden für die Genomeditierung abzubauen. Bleiben diese zu hoch, könnten neue Technologien wirtschaftlich unrentabel werden – mit verheerenden Folgen für den europäischen Agrarsektor. Die drängendste Frage ist derzeit, ob die EU fortschrittliche Agrartechnologien – insbesondere für Weizen – rechtzeitig genehmigt, bevor der Klimawandel die Erträge weiter schmälert.
Er verwies zudem auf größere wirtschaftliche Risiken: Ein Zusammenbruch der transatlantischen Handelsbeziehungen, so Berninger, würde Europas globale Position massiv schwächen. Angesichts der bereits jetzt auseinanderdriftenden USA und Europa sei ihre gemeinsame Stärke entscheidend, um weltweiten Einfluss zu wahren. Der Bayer-Manager rief die europäischen Führungskräfte auf, innere Schwächen zu beheben und weitere Spannungen mit den USA zu vermeiden.
Bayer, ein Schlüsselfaktor im Agrarchemie-Sektor, steht selbst vor Herausforderungen – darunter Milliardenbelastungen durch Klagen wegen des Unkrautvernichters Glyphosat. Doch jüngste juristische Fortschritte haben den Aktienkurs steigen lassen, und das Unternehmen rechnet damit, diese Verbindlichkeiten bis Jahresende deutlich zu reduzieren. Trotz des Widerstands von 45 europäischen Organisationen, die sich Sorgen um Kennzeichnung, Patente und Sicherheit machen, sieht Berninger im biotechnologischen Fortschritt eine Chance für Europa, seine Stärken zu nutzen.
Ohne Genomeditierung, warnte er, drohe Europas Weizenproduktion langfristig zu schrumpfen – mit Folgen, die weit über den Kontinent hinausreichen und die Nahrungsmittelversorgung in Teilen Afrikas destabilisieren könnten.
Europa steht nun vor einer wegweisenden Entscheidung: Soll es die neuen Agrartechnologien einführen? Eine Zustimmung könnte die Zukunft der Landwirtschaft sichern, während weiteres Zögern die Produktionsverluste und wirtschaftliche Verwundbarkeiten vertiefen dürfte. Das Ergebnis wird zudem die Handelsbeziehungen und die Ernährungssicherheit weit über die eigenen Grenzen hinaus prägen.
