Elektronische Patientenakte in Deutschland: Pflicht mit Pannen und mangelndem Vertrauen
Veronique HänelElektronische Patientenakte in Deutschland: Pflicht mit Pannen und mangelndem Vertrauen
Elektronische Patientenakte (ePA) in Deutschland: Pflicht für alle gesetzlich Versicherten – doch die Probleme reißen nicht ab
Seit Anfang 2025 ist die elektronische Patientenakte (ePA) in Deutschland für alle Patientinnen und Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung vorgeschrieben. Doch der Start des Systems verlief alles andere als reibungslos. Trotz offizieller Bekundungen eines "erfolgreichen Rollouts" kämpft die ePA mit technischen Pannen, unklarer Kommunikation und verärgerten Nutzern, die sich im Ungewissen gelassen fühlen.
Ursprünglich sollte die ePA bereits im Januar 2025 flächendeckend eingeführt werden, doch zunächst wurde sie nur in ausgewählten Modellregionen getestet. Erst im Oktober 2025 kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach an, dass die verpflichtende Nutzung für alle ab dem 15. Januar 2026 gelten solle. Von Beginn an plagten das System jedoch Sicherheitslücken, häufige Ausfälle und unvollständige Funktionen.
Patienten wurden nie ausreichend darüber aufgeklärt, wie die ePA funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und wer Zugriff auf die sensiblen Daten hat. Zudem behaupteten offizielle Stellen, es bestehe "kein Restrisiko" für schwere Cyberangriffe – eine Zusicherung, die kein technisches System realistisch erfüllen kann. Solche übertriebenen Versprechungen, kombiniert mit ungelösten Problemen, haben das Vertrauen in das Projekt schwer beschädigt. Experten betonen, dass Transparenz der Schlüssel zum Erfolg der ePA ist. Das bedeutet, Patientinnen und Patienten, Ärzte, Entwickler und Politiker in offene Dialoge über den Fortschritt einzubinden. Werden die Schwächen des Systems ignoriert oder kleingeredet, nährt dies nur den Verdacht, dass kritische Informationen zurückgehalten werden.
Zwar ist die ePA nun für alle verpflichtend, doch der holprige Start lässt viele an ihrer Zuverlässigkeit zweifeln. Damit das System Akzeptanz findet, müssen die Verantwortlichen die technischen Mängel beheben und ehrlich über die Risiken informieren. Ohne klare Aufklärung und spürbare Verbesserungen droht das Projekt, seine versprochenen Vorteile für Patienten und Leistungserbringer im Gesundheitswesen zu verfehlen.
