DFB-Pokal: Warum der VAR in den ersten Runden weiterhin fehlt – trotz umstrittenen Entscheidungen
Veronique HänelTradition trifft Moderne: Der Pokal im Video-Schiedsrichter-Dilemma - DFB-Pokal: Warum der VAR in den ersten Runden weiterhin fehlt – trotz umstrittenen Entscheidungen
Die frühen Runden des DFB-Pokals haben erneut die Spannung zwischen Tradition und moderner Technologie im Fußball deutlich gemacht. Während der Videobeweis (VAR) in der Bundesliga längst Standard ist, sorgt sein Fehlen in den ersten beiden Pokalrunden für hitzige Diskussionen. In jüngsten Spielen gab es umstrittene Schiedsrichterentscheidungen, die durch Videobeweise hätten geklärt werden können – doch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hält an strengen Regeln fest, um kleinere Vereine nicht zu benachteiligen.
Besonders brisant waren mehrere Partien der ersten Runde. Der Sieg von Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt, der Erfolg des Hamburger SV bei 1. FC Heidenheim und der Triumph von 1. FC Magdeburg gegen den FV Illertissen wiesen allesamt Szenen auf, in denen der VAR den Spielausgang hätte beeinflussen können. Das eklatanteste Beispiel lieferte die Niederlage des 1. FC Köln gegen den FC Bayern München, als ein umstrittenes Tor von Luis Díaz trotz eines scheinbaren Abseits zählte.
Der DFB begründet seine Haltung mit dem Prinzip der Chancengleichheit. Viele unterklassige Mannschaften verfügen nicht über die nötige Infrastruktur für den Videobeweis, und allein in der letzten Bundesliga-Saison gab der Verband fast fünf Millionen Euro für die Technologie aus. Dennoch mehren sich die Forderungen nach einer Reform. Max Eberl, Sportdirektor des FC Bayern München, plädierte für den Einsatz des VAR ab der zweiten Runde und verwies auf die hohe Bedeutung des Pokals. Jochen Drees, Innovationschef der Referees GmbH, räumte ein, dass ein früherer Einsatz des VAR möglich wäre – allerdings nur, wenn logistische Hürden wie Personal und Ausstattung überwunden werden.
Kritiker jedoch hinterfragen den zunehmenden Technikeinsatz. Lukas Kwasniok, Trainer des 1. FC Köln, verglich die Abhängigkeit von GPS in der Schiedsrichterarbeit mit Autofahrern, die ihr Orientierungsgefühl verlieren. Er warnte davor, dass ein Übermaß an Hilfsmitteln das menschliche Element im Fußball aushöhlen könnte. Gleichzeitig bleibt der VAR in der Bundesliga weiter im Einsatz – die Debatte über Konsistenz versus Tradition wird damit auch künftig nicht abreißen.
Aktuell schließt der DFB den Videobeweis in den ersten Pokalrunden aus, um für alle Teams gleiche Bedingungen zu gewährleisten. Doch umstrittene Entscheidungen und spektakuläre Fehlurteile erhöhen den Druck auf eine Reform. Jede Änderung müsste jedoch Kosten, Logistik und das sich wandelnde Verhältnis des Sports zur Technologie in Einklang bringen.






