Deutsche Krankenhäuser: Schutzlos bei Großkatastrophen – warum die Notfallpläne versagen
Veronique HänelDeutsche Krankenhäuser: Schutzlos bei Großkatastrophen – warum die Notfallpläne versagen
Krankenhäuser in ganz Deutschland sind bei der Notfallvorsorge für großflächige Krisen schwerwiegend unzureichend vorbereitet. Eine aktuelle Umfrage in Nordrhein-Westfalen (NRW) zeigt, dass den meisten Kliniken unterirdische Schutzräume, ausreichende Wasservorräte oder langfristige Energieversorgungslösungen fehlen. Experten warnen, dass selbst gut ausgestattete Einrichtungen bei einem schweren Angriff oder einer länger andauernden Katastrophe überfordert wären.
Während des Kalten Krieges unterhielt NRW Hilfsbunker, die im Ernstfall als medizinische Versorgungszentren hätten genutzt werden können. Heute verfügt kein einziges deutsches Krankenhaus mehr über solche unterirdischen Schutzräume. Die Schließung dieser Einrichtungen lässt die medizinische Infrastruktur im Falle eines Angriffs schutzlos zurück.
Die städtischen Kliniken Kölns haben eine mögliche Lösung vorgeschlagen: ein neues zweistöckiges Untergeschoss, das im Frieden als Parkhaus dienen und in Krisenzeiten als Notfall-Medizinzentrum fungieren könnte. Doch das Projekt scheitert bisher an der Finanzierung. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) räumte die finanziellen Engpässe ein und regte an, auf Bundesmittel aus dem Verteidigungsetat zurückzugreifen, um die Kosten zu decken.
Strom- und Wasserversorgung stellen weitere Herausforderungen dar. Die meisten Krankenhäuser – darunter das Bergmannsheil in Bochum – sind auf Dieselgeneratoren angewiesen, deren Treibstoffvorräte jedoch nur für 72 Stunden reichen. Noch kritischer ist die Wasserlage: Vier von fünf Kliniken verfügen nicht einmal über eine einwöchige Reserve an abgefülltem Wasser. Das von Mirko Aach geleitete Bergmannsheil, eine Spezialklinik für Schwerverletzte, kann kleinere Krisen bewältigen, wäre bei Massenanfall von Verletzten jedoch schnell überlastet.
Die Medikamentenbestände variieren stark – die meisten Krankenhäuser lagern essenzielle Arzneimittel für zwei bis sechs Wochen. Blutkonserven hingegen wären in einer Krise rasant aufgebraucht. Der Gesundheitsökonom Boris Augurzky schlug ein rotierendes Lagerungssystem vor, um das Verfallen von Medikamenten zu verhindern, doch enge Budgets blockieren die Umsetzung. Auch Schulungen für Großschadenslagen sind selten, da Länder und Bund die hohen Kosten kaum erstatten.
Ohne gezielte Förderung oder strukturelle Reformen bleiben die Krankenhäuser anfällig für langanhaltende Notlagen. Das Fehlen von Schutzräumen, begrenzte Treibstoff- und Wasservorräte sowie unzuverlässige Medikamentenbestände hinterlassen gefährliche Lücken. Politiker und Experten sind sich einig: Ohne bundesweite Unterstützung lassen sich diese Mängel nicht beheben.
