Corny Littmann: Vom schwulen Pioniertheater zur Rettung des FC St. Pauli
Hans-Günther KlappTheaterdirektor Corny Littmann feiert 50 Jahre auf der Bühne - Corny Littmann: Vom schwulen Pioniertheater zur Rettung des FC St. Pauli
Corny Littmann, ein 73-jähriger Schauspieler, Regisseur und Theaterimpresario, hat die deutsche Unterhaltungsbranche über fünf Jahrzehnte geprägt. Seine Karriere begann bereits in der Kindheit mit einem Schulstück und entwickelte sich später zu bahnbrechendem LGBTQ+-Theater. Von der Mitgründung der ersten offen schwulen Theatergruppe Deutschlands bis zur Rettung eines beliebten Fußballvereins reicht sein Einfluss weit über die Bühne hinaus.
Sein erster Auftritt datiert aus frühen Jahren: Als Kind spielte er einen der vierzig Diebe in Ali Baba und die vierzig Räuber. Jahrzehnte später, 1976, gründete er gemeinsam mit Hans-Georg Berger Brühwarm – Deutschlands erste offen schwule Theatertruppe. Ihr Debüt am 13. Januar desselben Jahres fand in der Hamburger Fabrik statt – ohne Mikrofone, allein getrieben von purer Energie.
1982 brachten Littmann und Gunter Schmidt Familie Schmidt auf die Bühne, ein Tourneetheater, das mit mutigen Produktionen wie Deutsch, aufrecht, homosexuell aufwartete. Ihre Inszenierungen verbanden scharfen Humor mit kompromisslosen LGBTQ+-Themen. 1991 eröffneten Littmann und sein Geschäftspartner Norbert Aust mit Schmidts Tivoli eine zweite Spielstätte, die für ihre skurrilen, extravaganten Shows gefeiert wurde. Doch Littmanns Wirken beschränkte sich nicht auf das Theater: Von 2003 bis 2010 amtierte er als Präsident des FC St. Pauli und führte den Kultverein aus der finanziellen Krise. Parallel dazu blühte seine Regiekarriere mit Musicals, Schlager-Revuen und langjährigen Erfolgsstücken auf. Das Publikum kannte ihn aus skurrilen Rollen – etwa als mürrischen Alten in Villa Sonnenschein oder als Kapitän in Die Könige des Kiez. 2015 erweiterte er sein Imperium mit der Eröffnung von Schmidtchen, einem intimem Veranstaltungsort an der Hamburger Reeperbahn.
Littmanns Vermächtnis umfasst Theater, Sport und Aktivismus. Seine Spielstätten sind zu kulturellen Wahrzeichen geworden, während sein Einsatz für LGBTQ+-Rechte weiterhin nachwirkt. Ob auf der Bühne, im Vorstandszimmer oder auf der Tribüne – sein Einfluss auf Hamburg und darüber hinaus ist unbestritten.
