Angélica Liddells radikale Mishima-Hommage erschüttert Wien mit Blut und Tod
Hans-Günther KlappAngélica Liddells radikale Mishima-Hommage erschüttert Wien mit Blut und Tod
Am 11. April 2024 feierte Angélica Liddell im Wiener Volkstheater die Premiere ihrer neuesten Performance Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben. Das Stück ist Teil der Wiener Festwochen 2024, die sich in diesem Jahr mit den Themen Leben, Tod und das Makabre auseinandersetzen.
Die Inszenierung bezieht sich stark auf das Leben und Werk des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, der 1966 in einem Kurzfilm einen rituellen Suizid inszenierte und sich 1970 schließlich selbst durch Seppuku das Leben nahm. Liddell rekonstruiert Mishimas letzten Akt, indem sie Ästhetiken des Nō-Theaters mit ihrem eigenen, drastisch-physischen Performancestil verbindet.
Für die Aufführung verkörpert Liddell das Leid der Verstorbenen, indem sie deren Kleidung trägt und deren Duft einatmet. Ihre Compagnie, Atra Bilis Teatro, sammelte für die Bühne Kleidungsstücke von Toten. Während der Performance vermischt und verspritzt sie zudem Blut, das ihr selbst und einer japanischen Mitperformerin entnommen wird.
Das Werk beleuchtet das Leben und die Motive jener, die sich für den Freitod entschieden haben. Inspiriert wurde Liddell unter anderem durch den Anblick einer Frau, die sich am 7. Januar 2024 in Madrid von einem Dach stürzte.
Mit Kleidung, Geruch und Blut konfrontiert die Performance das Publikum ungeschönt mit der Realität des Suizids. Sie spiegelt Liddells langjährige Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit und dem Erbe Mishimas wider. Die Produktion bleibt ein zentraler Programmpunkt der diesjährigen Festwochen.






