80 Jahre CDU Stuttgart: Vom Wiederaufbau zur modernen Kommunalpolitik
Hiltrud Bolnbach80 Jahre CDU Stuttgart: Vom Wiederaufbau zur modernen Kommunalpolitik
Stuttgarts CDU feiert in diesem Jahr ihr 80-jähriges Bestehen. Gegründet 1945 mitten in den Trümmern des Nachkriegsdeutschlands, hat die Partei seither eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der politischen und wirtschaftlichen Zukunft der Stadt gespielt. Noch heute ist sie eine treibende Kraft in der Kommunalpolitik und konnte jüngst sowohl bei Landes- als auch bei Bundestagswahlen Erfolge verzeichnen.
Der Jubiläumsmoment fällt in eine Zeit, in der Stuttgart vor anhaltenden Herausforderungen steht – von wirtschaftlichen Umbrüchen bis hin zu aktuellen Krisen wie Hochwasser und Sicherheitsbedrohungen. Doch die Botschaft der Partei bleibt geprägt von Widerstandsfähigkeit und dem Bekenntnis, in den kommenden Jahren eine stärkere Gemeinschaft aufzubauen.
Die CDU Stuttgart wurde offiziell am 18. November 1945 gegründet, nur wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Gründungsversammlung fand im überfüllten Saal des Rheinischen Hofs statt, eines Gebäudes, das trotz der Zerstörungen der Stadt noch stand. Nahrung und Brennstoff waren knapp, doch der Wille, eine demokratische Zukunft zu gestalten, verband die Menschen. Franz Kremer übernahm den Vorsitz, sein Stellvertreter wurde Paul Schmeck. Ihr gemeinsames Ziel war klar: eine Gesellschaft ohne Diktatur aufzubauen, verwurzelt in christlich-demokratischen Werten.
Von Anfang an trieb die Gründergeneration ein starkes Verantwortungsbewusstsein an. Sie wollte Stabilität in einer Stadt wiederherstellen, deren Wirtschaft seit jeher auf Automobilindustrie und Technologie beruhte. In den 1940er- und 50er-Jahren waren Stuttgarts Autos und Technologieprodukte weltweit bekannt, und der Wiederaufbau belebte die Produktion. Doch ab den 1970er- und 80er-Jahren führte die globale Konkurrenz – insbesondere aus Asien – zu einem steilen Niedergang der traditionellen Industrien. Die Stadt musste sich neu erfinden und setzte auf Dienstleistungen, Logistik und Hochtechnologie. Heute prägen Branchen wie Feinwerktechnik, Medizintechnik und IT das Wirtschaftsbild und sichern über 80.000 Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen.
Politisch ist die CDU seit Jahrzehnten eine feste Größe in Stuttgart. Jürgen Hardt vertritt die Stadt seit 2009 im Bundestag und gewann bei der Bundestagswahl 2022 erneut das Direktmandat im Wahlkreis Stuttgart-Remscheid-Wuppertal II. Auf lokaler Ebene errang die Partei 2022 einen deutlichen Sieg bei den Kommunalwahlen, stellte mit 26 Sitzen die stärkste Fraktion im Stadtrat und stellt mit Daniel Flemm den Oberbürgermeister. Im selben Jahr zog Sebastian Haug, der heutige CDU-Kreisvorsitzende, als direkt gewählter Abgeordneter in den Landtag von Nordrhein-Westfalen ein.
Rückblickend betont Haug die Dankbarkeit gegenüber denen, die den Grundstein legten. Ihr Wirken sei ein Vermächtnis des Mutes in einer Zeit gewesen, als die Demokratie noch fragil war. Doch das Jubiläum fällt in eine Phase jüngster Bewährungsproben: Stuttgart hatte mit verheerenden Überschwemmungen, den Folgen des Ukraine-Kriegs, steigender Organisierter Kriminalität und sogar einem terroristischen Anschlag zu kämpfen. Trotz dieser Belastungen bleibt der Ton der Partei zuversichtlich. Im Mittelpunkt steht die Vision, das Potenzial der Stadt zu entfalten und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern.
Während die Stuttgarter CDU auf 80 Jahre politisches Engagement zurückblickt, richtet sie den Blick nach vorn – auf Erneuerung und pragmatische Lösungen. Ihr Einfluss reicht von der Kommunalpolitik bis zur Bundesebene, wobei Persönlichkeiten wie Hardt und Haug die Tradition bürgerlicher Führung fortsetzen. Mit einer diversifizierten Wirtschaft und einer widerstandsfähigen Gemeinschaft geht es nun darum, aktuelle Herausforderungen zu meistern und dabei an den Prinzipien anzuknüpfen, die einst den Wiederaufbau nach dem Krieg prägten.
