26 March 2026, 22:29

Wie die Bundeswehr 1955 zwischen Protesten und NATO-Beitritt entstand

Schwarzes und weißes Foto von Soldaten, die während des Ersten Weltkriegs eine Straße in Berlin entlangmarschieren, mit Mützen und Gewehren, sowie Bäumen und Gebäuden an der Straße und einem Pfahl im Hintergrund.

Wie die Bundeswehr 1955 zwischen Protesten und NATO-Beitritt entstand

Die Gründung der Bundeswehr in der Mitte der 1950er-Jahre löste in Westdeutschland heftige Debatten und massenhafte Proteste aus. Nach Jahren des Widerstands nahm die neue Armee 1955 bis 1956 Gestalt an – mit der Einführung der Wehrpflicht und dem NATO-Beitritt als Folge. Die Entscheidung spaltete Politiker, Wissenschaftler und die Bevölkerung gleichermaßen.

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Der Widerstand gegen die Wiederbewaffnung begann früh. Bereits 1951 starteten Aktivisten ein Volksbegehren gegen den Aufbau einer deutschen Armee, das jedoch vom Innenministerium verboten wurde. Tausende gaben trotzdem in symbolischer Geste ihre Stimme ab. 1952 eskalierte die Lage, als die Polizei in Essen während einer verbotenen Demonstration einen jungen Protestierenden erschoss.

Die Bundeswehr entstand schrittweise. Am 12. November 1955 überreichte Theodor Blank den ersten 110 Offizieren und Unteroffizieren – allesamt Männer, viele von ihnen ehemalige Angehörige der Wehrmacht oder der Waffen-SS – ihre Ernennungsurkunden. Die ersten Freiwilligen traten im Januar 1956 ihren Dienst an, und am 1. April erhielt die Truppe ihren endgültigen Namen: Bundeswehr.

1955 ebbten die Proteste vorübergehend ab, flammten aber nach dem NATO-Beitritt Westdeutschlands wieder auf. 1957 unterzeichneten 18 führende Wissenschaftler das Göttinger Manifest, in dem sie sich gegen Pläne zur atomaren Bewaffnung der Bundeswehr aussprachen. Trotz des Widerstands wurde im Juli 1956 die Wehrpflicht eingeführt, um die Truppe auf die angestrebte Stärke von 500.000 Soldaten zu bringen. Die SPD, die zunächst für Neutralität plädiert hatte, änderte ihre Haltung erst nach Verabschiedung des Godesberger Programms 1959.

Die Bundeswehr wurde somit in einer Zeit tiefer Gräben Realität – mit einem Personal, das in den Anfangsjahren fast ausschließlich männlich war und stark aus früheren Militärstrukturen rekrutiert wurde. Frauen durften erst 2001, Jahrzehnte nach der Gründung, einrücken. Die Debatten der 1950er-Jahre prägten nachhaltig die deutsche Sicherheitspolitik und die Rolle des Landes in der NATO.

Quelle