Tim Raues ehrlicher Blick auf die brutale Welt der Berliner "36 Boys"
Dimitri EigenwilligTim Raues ehrlicher Blick auf die brutale Welt der Berliner "36 Boys"
Ein neues Buch enthüllt die unerzählte Geschichte der berüchtigten Berliner „36 Boys“-Bande – aus der Sicht des ehemaligen Mitglieds Tim Raue. Als problematischer Teenager auf der Suche nach Anerkennung blickt Raue heute mit einer Mischung aus Ehrlichkeit und Reue auf seine Vergangenheit zurück. Seine Erlebnisse – von brutalen Aufnahmeritualen bis zu Straßenschlachten – zeichnen ein lebendiges Bild des Gang-Lebens im Kreuzberg der 1980er-Jahre.
Mit 14 schloss sich Tim Raue den „36 Boys“ aus demselben Grund an wie viele andere: Anerkennung. Die Bande, die im Berliner Bezirk Kreuzberg beheimatet war, bot ihm das Gefühl von Zugehörigkeit, das er anderswo vergeblich suchte. Doch der Preis für Akzeptanz war hoch. Seine Initiation bestand darin, sich drei Minuten lang gleichzeitig gegen zwei Mitglieder zu behaupten – eine Prüfung, die er nicht vollständig durchstand. Obwohl er die volle Zeit nicht durchhielt, gab er nicht auf und erwarb sich so seinen Platz in der Gruppe – sowie eine Narbe, die er bis heute mit Stolz trägt.
Der Kodex der Bande war simpel: Loyalität über alles. Die Mitglieder hielten zusammen, selbst wenn einer von ihnen einen Fehler beging. Doch Gewalt war nie weit. Zusammenstöße mit verfeindeten Gruppen waren an der Tagesordnung, und Raue gibt offen zu, dass er Angst vor den größeren Gegnern hatte. Ein Rückzug kam jedoch nie infrage.
Jahrzehnte später hat sich Raues Perspektive grundlegend gewandelt. Heute lehnt er Gewalt entschlossen ab, doch er erkennt die Denkweise an, die ihn einst antrieb. Seine Geschichte – und die anderer – wird nun in „36 Boys: Wie eine Kreuzberger Bande zur Legende wurde“ festgehalten, einem Buch, das untersucht, wie eine eng verbundene Gruppe von Jugendlichen bleibende Spuren in der Stadtgeschichte hinterließ.
Raues Weg vom Bandenmitglied zum Gewaltgegner offenbart die Widersprüche seiner Vergangenheit. Das Buch fängt einen Moment der Berliner Geschichte ein, in dem Straßenloyalität alles bedeutete. Für diejenigen, die diese Zeit erlebten, bleiben die Narben – sowohl die körperlichen als auch die seelischen – lange nach dem Ende der Kämpfe bestehen.






