EU-Reform des Emissionshandels: Industrie hofft auf Entlastung und Klimaschutz unter einem Dach
Hiltrud BolnbachEU-Reform des Emissionshandels: Industrie hofft auf Entlastung und Klimaschutz unter einem Dach
EU-Kommission legt Reformvorschläge für den Emissionshandel vor
Die Europäische Kommission wird in dieser Woche ihre ersten Vorschläge zur Reform des EU-Emissionshandelsystems (ETS) vorstellen. Die geplanten Änderungen sollen langjährige Bedenken der Industrie – insbesondere der chemischen Branche – ausräumen und gleichzeitig Klimaziele mit wirtschaftlichen Realitäten in Einklang bringen. Prominente Vertreter wie Evonik-Chef Christian Kullmann hatten sich wiederholt für weitreichende Anpassungen des bestehenden Systems ausgesprochen.
Der Vorstandsvorsitzende von Evonik, Christian Kullmann, hatte zuvor gefordert, das ETS entweder abzuschaffen oder grundlegend zu reformieren. Seine Position spiegelte die weitverbreitete Unzufriedenheit der Industrie wider, die sich durch das System in ihrer Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt sieht. Gemeinsam mit dem EU-Abgeordneten Peter Liese hat Kullmann nun einen Gastbeitrag im Handelsblatt verfasst, in dem sie für pragmatische Lösungen und kluge Kompromisse im Reformprozess werben.
Zu den von der Kommission vorgeschlagenen Änderungen gehört die Verlängerung der kostenlosen Zuteilung von Emissionszertifikaten bis weit in die 2040er-Jahre hinein. Die bestehenden Benchmarks bleiben zwar erhalten, doch die sogenannten "Auffang-Benchmarks" für Wärme und Brennstoffe sollen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Ein weiterer zentraler Punkt ist die dauerhafte Abschaffung der Streichung von Zertifikaten im Marktstabilitätsreservoir (MSR) – ein Schritt, der die CO₂-Preisbildung stabilisieren soll.
Die Reformen sehen zudem Maßnahmen vor, um das MSR selbst zu stärken und Technologien zur Kohlendioxidabscheidung und -nutzung (CCU) in das System zu integrieren. Diese Anpassungen erfolgen nach monatelangen Konsultationen, bei denen die Belange der chemischen Industrie besonders berücksichtigt wurden. Die erste öffentliche Vorstellung der Vorschläge ist für März 2026 im Rahmen der laufenden ETS-Überprüfung geplant.
Das überarbeitete ETS-Rahmenwerk tritt 2026 in Kraft und umfasst als Kernpunkte die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten, Benchmark-Anpassungen sowie die Einbindung von CCU-Technologien. Die Abschaffung der Zertifikatsstreichung im MSR markiert eine dauerhafte Veränderung in der Steuerung des Zertifikateangebots. Für Branchen wie die Chemieindustrie sollen die Reformen die Einhaltung der Vorschriften erleichtern, ohne die Klimaziele der EU aus den Augen zu verlieren.






