Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – Verkaufseinbruch bedroht soziale Projekte
Hans-Günther KlappDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – Verkaufseinbruch bedroht soziale Projekte
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – verkauft von obdachlosen Händler:innen – verzeichnet einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Die monatliche Auflage ist von einst 40.000 Exemplaren auf weniger als 12.000 gesunken. Der Einbruch spiegelt die allgemeinen Herausforderungen der Printmedienbranche wider, verschärft durch eine wachsende Feindseligkeit gegenüber Straßenverkäufer:innen.
Um den finanziellen Druck abzufedern, wurde der Preis des Magazins auf 3,40 Euro angehoben. Dennoch bleibt es im Vergleich zu Alltagsausgaben wie Kaffee oder ÖPNV-Tickets eine der günstigeren Optionen.
"fiftyfifty" ist seit Langem eine Überlebenshilfe für Obdachlose in Düsseldorf. Die Verkäufer:innen verdienen ihr Geld mit Würde, während das Magazin zugleich als Plattform für Advocacy-Arbeit und Gemeinschaft dient. Für viele bedeutet es mehr als nur einen Job – es vermittelt ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Das Magazin erscheint sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form. Die Online-Version funktioniert wie eine Loskarte: Auch hier profitieren die Händler:innen von den Verkäufen. Dieses hybride Modell hilft, sich an veränderte Lesegewohnheiten anzupassen, auch wenn der Großteil der Einnahmen weiterhin aus dem Printverkauf stammt.
Finanziert wird das Projekt vor allem über Magazinverkäufe und Spenden. Eine Wohltätigkeitsgalerie, in der Werke bekannter Künstler:innen verkauft werden, leistet zusätzliche Unterstützung. Die Mittel fließen in soziale Projekte wie Straßenhilfeprogramme und tierärztliche Versorgung für herrenlose Hunde.
Doch die Probleme beschränken sich nicht auf finanzielle Engpässe: Verkäufer:innen – insbesondere solche mit Migrationshintergrund – sehen sich zunehmend Rassismus und Feindseligkeit ausgesetzt. Dies verschärft den Absatzrückgang und macht es ihnen schwerer, das Magazin sicher zu verkaufen. Ohne "fiftyfifty" drohen viele dieser sozialen Initiativen wegzubrechen – und damit eine noch größere Not für ohnehin schon benachteiligte Gruppen.
Der Verkaufseinbruch bedroht nicht nur das Magazin selbst, sondern das gesamte Unterstützungsnetzwerk, das es trägt. Projekte wie medizinische Versorgung für Streuner oder Sozialarbeit sind auf seinen Erfolg angewiesen. Noch immer bleibt "fiftyfifty" ein unverzichtbares Bindeglied zwischen obdachlosen Verkäufer:innen, Leser:innen und dem sozialen Gewissen der Stadt.