29 March 2026, 04:31

Deutz und Daimler Truck: Zwei gegensätzliche Wege in die klimaneutrale Zukunft

Altes deutsches Aktienzertifikat mit einer Stadtansicht und gedrucktem Text, das likely den Ursprung der Aktie beschreibt.

Deutz und Daimler Truck: Zwei gegensätzliche Wege in die klimaneutrale Zukunft

Zwei deutsche Industriegiganten schlagen unterschiedliche Wege ein, um ihre Zukunft zu sichern. Die Deutz AG, einst ein traditioneller Motorenhersteller, hat sich als Energietechnik- und Rüstungsspezialist neu erfunden – mit Fokus auf klimaneutrale Verbrennung. Gleichzeitig setzt Daimler Truck auf batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Antriebe und baut gleichzeitig die Margen im Kerngeschäft mit Mercedes-Benz aus. Beide Unternehmen passen sich veränderten Märkten an, doch ihre Strategien – und die finanziellen Aussichten – könnten kaum unterschiedlicher sein.

Deutz hat sich längst von seinen Wurzeln als Verbrennungsmotoren-Zulieferer entfernt. Mit der "Dual+"-Strategie hält das Unternehmen das Kerngeschäft am Laufen, erweitert aber gleichzeitig sein Portfolio um Notstromsysteme und Wasserstoff-Verbrennungstechnologie. Das Argument: Verbrennungsmotoren hätten langfristig weiterhin eine Daseinsberechtigung – vorausgesetzt, sie laufen mit klimaneutralen Kraftstoffen wie Wasserstoff, E-Fuels oder hydriertem Pflanzenöl (HVO). Dieser Wandel hat zu einem Umsatzwachstum von fast 13 Prozent geführt und ermöglicht eine höhere Kurs-Gewinn-Relation als bei manchen Konkurrenten.

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Doch der Umbau verlief nicht ohne Turbulenzen. Der Börsenwert von Deutz schwankte in den vergangenen Jahren stark: von 616 Millionen Euro im Jahr 2020 stieg er 2021 auf 794 Millionen Euro, um 2022 wieder auf 489 Millionen Euro zu fallen. 2023 folgte eine Teilerholung (605 Millionen Euro), bevor es 2024 erneut abwärtsging (560 Millionen Euro). Bis 2025 hatte sich der Wert dann mehr als verdoppelt – auf 1,3 Milliarden Euro, getrieben durch starke Verkäufe, Kostensenkungen und die Rückkehr in den MDAX Anfang 2026. Dennoch bleiben Herausforderungen, etwa die Notwendigkeit weiterer Übernahmen, um die Rüstungssparte auszubauen – ein Schritt, der die Finanzen belasten und die Unternehmensführung komplexer machen könnte.

Daimler Truck, mit einer Marktkapitalisierung von knapp 35 Milliarden Euro, verfolgt eine eigene Doppelstrategie. Das Unternehmen entwickelt sowohl batterieelektrische als auch wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenantriebe und deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Fahrgestellproduktion bis zu digitalen Flottendienstleistungen. Anleger sehen den Konzern als klassischen Value-Wert: Die Kurs-Gewinn-Relation liegt bei etwa 11, die Dividendenrendite bei fast fünf Prozent. Die größten Wachstumstreiber sind die Margenverbesserung bei den Mercedes-Benz-Lkw und der Ausbau autonomer Fahrtechnologien.

Beide Unternehmen stehen vor einem sich erholenden, aber weiterhin unsicheren Markt. Deutz profitiert von der wieder erstarkten Nachfrage nach Baumaschinen und Agrartechnik, während Daimler Truck durch Größe und Diversifizierung Stabilität ausstrahlt. Doch ihre Ansätze spiegeln gegensätzliche Wetten auf die Zukunft der Antriebstechnik wider – und die damit verbundenen Risiken.

Deutz' Wandel zum Energie- und Rüstungsunternehmen hat zwar Umsatzwachstum gebracht, aber auch für Schwankungen beim Aktienkurs gesorgt. Der weitere Erfolg hängt nun davon ab, ob es gelingt, die Wasserstoff-Verbrennung und Rüstungsaufträge auszubauen, ohne die Ressourcen zu überdehnen. Daimler Truck hingegen setzt auf Elektrifizierung und Margensteigerungen, um die Bewertung zu rechtfertigen. Die beiden Konzerne zeigen exemplarisch, wie sich Industrieunternehmen zwischen Evolution und Revolution bewegen müssen, um relevant zu bleiben.

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