Deutsche Unternehmen kämpfen um digitale Souveränität – doch die Lücke bleibt groß
Hiltrud BolnbachDeutsche Unternehmen kämpfen um digitale Souveränität – doch die Lücke bleibt groß
Eine neue Studie hat untersucht, wie viel Kontrolle deutsche Unternehmen über ihre digitalen Werkzeuge und Daten haben. Der Digitale Souveränitätsindex (DSI), entwickelt von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute, zeigt einen durchschnittlichen Reifegrad von 65,8 Prozent in der gesamten Wirtschaft. Doch die Unternehmen streben ein höheres Ziel an – 77,8 Prozent –, um sich in ihren digitalen Abläufen wirklich unabhängig zu fühlen.
Der DSI basiert auf den Antworten von rund 500 Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Er bewertet, wie gut Organisationen ihre digitale Unabhängigkeit steuern – mit Fokus auf Selbstbestimmung, Partnerschaften und Resilienz statt auf Isolation. Dennoch verfügen nur 21 Prozent der Befragten über eine spezifische Strategie für digitale Souveränität, und lediglich 13 Prozent haben sie in ihre übergeordneten Unternehmenspläne integriert.
Mehr als 60 Prozent der Firmen sind bei kritischen Technologien wie Cloud Computing, Software und KI weiterhin auf ausländische Lösungen angewiesen. Doch der Wandel wird deutlich nachgefragt: 80 Prozent der Unternehmen wären bereit, einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt 17 Prozent mehr – für souveräne Alternativen.
Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, betonte, dass digitale Souveränität kein rein technisches Thema sei, sondern ein zentraler Faktor für zukünftiges Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Die Lücke zwischen dem aktuellen Stand (65,8 Prozent) und dem angestrebten Niveau (77,8 Prozent) verdeutlicht sowohl die Herausforderung als auch die Chance, die vor uns liegen.
Die Ergebnisse zeigen einen starken Wunsch nach größerer digitaler Unabhängigkeit in der deutschen Wirtschaft. Da die meisten Unternehmen noch immer von ausländischen Anbietern abhängig sind, könnte der Druck auf souveräne Lösungen Investitionen und Strategien in den kommenden Jahren prägen. Die Studie legt nahe, dass die Schließung der 12-Prozent-Punkte-Kluft zwischen aktuellem Stand und Zielwert sowohl klarere Planung als auch die Bereitschaft erfordert, in heimische Alternativen zu investieren.






