Das stille Leid der Gastarbeiter: Einsamkeit und psychische Nöte im Alter
Dimitri EigenwilligDas stille Leid der Gastarbeiter: Einsamkeit und psychische Nöte im Alter
Vor über 60 Jahren warb Deutschland ausländische Arbeitskräfte an, um den Arbeitskräftemangel nach dem Zweiten Weltkrieg zu beheben. Viele von ihnen, wie die Eltern des Komikers Fatih Çevikkollu, kamen mit der Erwartung, nur vorübergehend zu bleiben. Doch ihre Erfahrungen – Einsamkeit, unversorgte psychische Bedürfnisse und kulturelle Barrieren – wirken sich bis heute auf ältere Migrantinnen und Migranten aus.
In den 1960er-Jahren holte Deutschland sogenannte Gastarbeiter ins Land, um die Wirtschaft zu stärken. Sowohl die Regierung als auch die Arbeitskräfte gingen damals davon aus, dass diese irgendwann in ihre Heimat zurückkehren würden. Sprachkurse oder Integrationshilfen hielt man für überflüssig.
Das Rotationsprinzip wurde in den 1970er-Jahren aufgegeben, als der Arbeitskräftemangel anhielt. Viele blieben – doch der Übergang gestaltete sich schwierig. Çevikkollus Mutter, einst Grundschullehrerin in der Türkei, arbeitete in Deutschland schließlich als Näherin. Dieser soziale Abstieg hinterließ tiefe Spuren: Im Alter lebte sie allein, hörte Stimmen – ein wahrscheinlich unbehandeltes Anzeichen für Psychose.
Heute kämpfen ältere Migrantinnen und Migranten häufig mit Einsamkeit und psychischen Problemen. Dr. Uwe Johansson und Dr. Gürsel Çapanoğlu betonen, wie verbreitet Isolation in dieser Gruppe ist. Selbst wenn Hilfsangebote existieren, bleibt der Zugang schwierig. Die LWL-Klinik Dortmund bietet zwar eine interkulturelle ambulante Sprechstunde an, doch Hindernisse wie unterschiedliche Krankheitsvorstellungen halten viele davon ab, Unterstützung zu suchen. Kulturelle Missverständnisse und die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen erschweren die Behandlung zusätzlich, so Johansson.
Die Herausforderungen der frühen Gastarbeitergeneration prägen noch immer das Leben alternder Migrantinnen und Migranten. Kliniken wie die in Dortmund bieten zwar maßgeschneiderte Hilfen an, doch die Hürden bleiben hoch. Ohne bessere Aufklärung und kulturelles Verständnis werden viele weiter im Stillen leiden.






