18 March 2026, 04:29

Bergisch Gladbach diskutiert technologieneutrale Energiezukunft nach Atomausstieg

Tortendiagramm, das den globalen Verbrauch an erneuerbaren Energien im Jahr 2008 zeigt, mit Abschnitten für fossile Brennstoffe, Kernenergie, Wasserkraft, Heizung mit Warmwasser, Biomasse, Solarenergie, Geothermie und Biokraftstoffe.

Bergisch Gladbach diskutiert technologieneutrale Energiezukunft nach Atomausstieg

Rund 80 Personen nahmen in Bergisch Gladbach an einer Veranstaltung teil, um über die Zukunft der Haushaltsenergieversorgung zu diskutieren. Organisiert von der örtlichen Nachhaltigkeits-Arbeitsgruppe der CDU, lag der Fokus der Runde auf der kommunalen Wärmeplanung und den Möglichkeiten, das bestehende Gasnetz der Stadt umzuwidmen. Fachleute und Anwohner loteten Wege aus, wie sich Klimaziele mit wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Einklang bringen lassen.

Im Mittelpunkt der Debatte stand Dr. David Bothe, Direktor bei Frontier Economics und Autor einer 2021 erschienenen DIHK-Studie zur Energiepolitik. Seine Vorschläge für einen technologieneutralen Ansatz – der fossile Brennstoffe, Kernenergie und Erneuerbare gleichermaßen einbezieht – entfachte eine Diskussion darüber, wie bezahlbare und verlässliche Energie gesichert werden kann, ohne die Emissionen aus dem Blick zu verlieren.

Bothe skizzierte vier zentrale Prinzipien für eine nachhaltige Energiestrategie: Technologieoffenheit, Kosteneffizienz, Innovation und internationale Zusammenarbeit. Seine Studie warnt vor hohen Ausgaben, technischen Hürden und öffentlichem Widerstand, die die deutsche Energiewende gefährden könnten. Der Ausschluss bestimmter Technologien – etwa der Kernenergie oder synthetischer Gase – könnte seiner Ansicht nach die Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung einengen, ohne die Preise in den Griff zu bekommen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Auf der Veranstaltung wurde auch erörtert, wie Bergisch Gladbach seine bestehende Gasinfrastruktur für synthetisches Gas umrüsten könnte. Dieser Ansatz würde Haushalten den Übergang von herkömmlichen fossilen Brennstoffen erleichtern, ohne die bestehenden Netze aufgeben zu müssen. Die Teilnehmer betonten, wie wichtig klare, messbare Schritte sind, um sowohl den Klimaschutz als auch die wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten.

Bothe's Konzept einer technologieoffenen Energiepolitik – gestützt auf die DIHK-Studie von 2021 – war bereits während der Energiekrise 2022 in Bundestagsdebatten aufgegriffen worden. Doch die Energiereformen der Ampel-Koalition für die Jahre 2023 bis 2025 setzten einseitig auf Erneuerbare und ließen seine weiter gefassten Vorschläge unberücksichtigt. Selbst auf Landesebene fand die Idee zwar Erwähnung – etwa in Bayerns Energieplan 2024 –, doch eine Umsetzung blieb aus, zumal Deutschland 2023 den Atomausstieg vollzog.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass Klima- und Energiepolitik eine generationenübergreifende Herausforderung bleibt. Gefordert wurden mehr Transparenz, gemeinsames Handeln und Lösungen, die die industrielle Wettbewerbsfähigkeit wahren und gleichzeitig ökologische Ziele erreichen.

Die Veranstaltung in Bergisch Gladbach zeigte die Spannungsfelder auf, die in der Energiepolitik zwischen Kosten, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit bestehen. Zwar stößt Bothe's technologieneutrales Modell in politischen Debatten auf Interesse, doch seine praktische Umsetzung steckt noch in den Kinderschuhen. Vorerst bieten lokale Initiativen – wie die Umwidmung von Gasnetzen – einen möglichen Weg, während Kommunen nach pragmatischen Lösungen für die Energiewende suchen.

Quelle